Ein Schneeschuh trägt, weil er das Gewicht auf eine Fläche verteilt, die drei- bis viermal so groß ist wie die Sohle eines Wanderstiefels, und genau diese einfache Rechnung entscheidet, ob ein Schritt im Pulverschnee bis zum Knie einsinkt oder an der Oberfläche bleibt. Im Oberallgäu liegt von Dezember bis in den März in den Tälern und auf den Almböden meist genug Schnee für das Gerät, und die weiten Flächen abseits der Loipen und Skipisten laden zum Gehen ein. Schneeschuhwandern ist leise, braucht außer dem Gerät selbst keine Technik und lässt sich nach einer Viertelstunde Übung erlernen.
Der Artikel erklärt, was vor der ersten Tour bereitliegen muss, welche Größe zu welchem Körpergewicht passt, wie der Ablauf einer Tour aussieht und welcher Fehler am häufigsten zu müden Beinen und enttäuschten Anfängern führt. Dazu kommt ein Aspekt, der in vielen Tourenbeschreibungen fehlt: das Winterleben der Tiere im Wald, deren Ruhe durch unbedachte Wege gestört werden kann. Schneeschuhe sind keine Erfindung des Wintertourismus. Ähnliche Rahmen aus Holz und Rohhaut tragen Jäger in Nordamerika und Nordasien seit Jahrtausenden, und der heutige Schneeschuh aus Aluminium oder Kunststoff mit Stahlkrallen ist die Weiterentwicklung eines uralten Prinzips.

Material für die erste Tour im Oberallgäu
Die Ausrüstung für eine Schneeschuhtour ist überschaubar, doch jedes Stück erfüllt eine feste Aufgabe. Entscheidend sind die Schneeschuhe selbst, die sich in vielen Sportgeschäften der Region vor dem Kauf ausleihen lassen. Dazu gehören knöchelhohe, wasserdichte Winterwanderschuhe mit steifer Sohle, denn der Schuh wird über die Bindung fest mit dem Rahmen verbunden und muss Kräfte übertragen. Teleskopstöcke mit breiten Tellern helfen beim Gleichgewicht und entlasten Knie und Rücken im Anstieg, und Gamaschen verhindern, dass Schnee in den Schuh dringt. Kleidung nach dem Zwiebelprinzip ist wichtig, weil das Gehen im tiefen Schnee den Körper stark erwärmt, während die Pausen schnell auskühlen. Die Sonnenbrille ist kein Luxus, denn die Schneefläche wirft einen großen Teil der Strahlung zurück, und schon nach wenigen Stunden Tageslicht auf Höhen über tausend Metern kann das Auge gereizt sein. Ein Rucksack mit etwa zwanzig Litern Volumen reicht für eine Tagestour, und die Ersatzschicht gehört nach ganz unten, damit sie trocken bleibt. Der Preis fürs Ausleihen ist gering im Vergleich zu einem Fehlkauf, denn Größe und Bindungssystem lassen sich erst nach einer Tour wirklich beurteilen. Die Route wird am Vorabend geprüft, denn Länge und Höhenunterschied sind im Schnee schwerer einzuschätzen als im Sommer, und jeder Kilometer dauert länger als gedacht. Die Liste fasst zusammen, was in den Rucksack gehört.
- Schneeschuhe mit Steighilfe unter der Ferse, passend zum Körpergewicht
- Winterwanderschuhe, wasserdicht und knöchelhoch
- Teleskopstöcke mit Schneetellern
- Gamaschen oder lange Hosen, die über den Schuhrand reichen
- Handschuhe zum Wechseln, Mütze, Sonnenbrille
- Heißes Getränk, Sitzunterlage und eine kleine Mahlzeit
- Tourenbeschreibung oder Karte samt Reservebatterie für das Telefon
Welche Größe zu welchem Gewicht gehört
Ob ein Schneeschuh trägt, hängt vom Gewicht ab, das er tragen muss, und zwar einschließlich Rucksack und Kleidung. Ein Beispiel zeigt die Zusammenhänge. Bei einem Körpergewicht von 80 Kilogramm und zehn Kilogramm Gepäck lasten 90 Kilogramm auf den Füßen, und während eines Schrittes steht das ganze Gewicht kurz auf nur einem Fuß. Ein Wanderstiefel hat eine Auflagefläche von etwa 300 Quadratzentimetern, damit entsteht ein Druck von rund 0,3 Kilogramm pro Quadratzentimeter, in der Einheit der Physik etwa 29 Kilopascal. Ein Schneeschuh mit etwa 1.000 Quadratzentimetern verteilt dieselbe Last auf mehr als das Dreifache, und der Druck sinkt auf 0,09 Kilogramm pro Quadratzentimeter oder rund neun Kilopascal. Frischer Pulverschnee mit einer Dichte von 50 bis 100 Kilogramm pro Kubikmeter hält nur sehr wenig aus, deshalb sinkt der Stiefel tief ein, der Schneeschuh aber nur wenige Zentimeter. Die Länge des Rahmens ist ein Kompromiss, denn ein größerer Schuh trägt besser, wirkt aber im Wald und im Steilgelände sperrig. Die folgende Tabelle zeigt typische Größenstaffelungen. Die Werte unterscheiden sich je nach Hersteller und dienen nur der Orientierung, und die Angaben auf dem Etikett des gewählten Modells haben Vorrang. Aus der Tabelle lässt sich ablesen, dass Kinder und leichte Erwachsene mit kurzen Rahmen gut zurechtkommen, während schwere Rucksäcke die Größe nach oben treiben. Bei Zweifeln wählt die Erfahrung die größere Stufe für Tiefschnee und die kleinere für Wald und Pfade, denn ein kurzer Rahmen verhakt sich weniger an Wurzeln und Ästen.
| Gewicht mit Gepäck | Rahmenlänge | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| bis 60 Kilogramm | etwa 48 bis 53 Zentimeter | Kinder und leichte Erwachsene, Wald und Wiese |
| 60 bis 80 Kilogramm | etwa 53 bis 58 Zentimeter | Standardgröße für Tagestouren |
| 80 bis 100 Kilogramm | etwa 58 bis 64 Zentimeter | Tiefschnee und längere Touren mit Rucksack |
| über 100 Kilogramm | etwa 64 bis 70 Zentimeter | Große Modelle mit Schwanz für Pulverschnee |
Der Ablauf einer Tour Schritt für Schritt
Der Ablauf einer Schneeschuhtour unterscheidet sich vom Sommerwandern weniger, als viele erwarten, doch einige Handgriffe sind neu. Zuerst wird das Gerät angelegt, noch bevor die erste Steigung beginnt, denn auf einer Schneefläche geht das im Stehen nur mühsam. Danach folgt eine Gehweise, die etwas breitbeiniger ausfällt, damit die Rahmen sich nicht berühren und nicht aneinander stoßen. Das Tempo liegt deutlich unter dem Sommertempo: Im tiefen Schnee sind zwei bis drei Kilometer pro Stunde ein guter Richtwert, und im Anstieg gelten etwa 200 bis 300 Höhenmeter pro Stunde. Ein gedrosseltes Tempo am Anfang hält die Tour länger am Laufen, denn Schwitzen im Anstieg und Auskühlen in der Pause sind die beiden großen Kräftefresser.
- Schneeschuhe anlegen, Bindung festziehen und die Riemen prüfen.
- Stöcke auf Körperhöhe einstellen und im Gelände leicht nach hinten setzen.
- Bergauf die Steighilfe unter der Ferse hochklappen und mit kurzen Schritten gehen.
- Bergab die Steighilfe herunterklappen, die Knie beugen und den Körper leicht nach hinten lehnen.
- Nach etwa einer Stunde eine Pause einlegen, bevor der Körper auskühlt.
- Am Ziel die Schuhe ablegen, trocknen lassen und die Krallen von Schnee befreien.
Bergab gehen Anfänger meist zu vorsichtig, und das ermüdet die Oberschenkel. Mit leicht gebeugten Knien und gleichmäßigen Schritten rutschen die Krallen weniger, und das Gewicht verteilt sich besser. Im Steilhang wird quer und im Zickzack gegangen, damit die Rahmen nicht verkanten. Beim Stolpern, weil ein Rahmen den anderen streift, sind die Beine meist zu eng gesetzt. Nach der Tour gehören die Schuhe trocken gelagert und die Bindungen von Eis befreit, sonst frieren die Riemen am nächsten Morgen fest.
Der häufigste Fehler und das Winterleben im Wald
Der häufigste Fehler ist ein zu kleiner Schneeschuh in Kombination mit zu hohem Tempo. In zu kurzen Rahmen sinkt der Fuß im Pulverschnee dennoch tief ein, die Beine werden zu hoch gehoben, und der Kraftverbrauch steigt deutlich. Der zweite Fehler liegt im Gelände: Anfänger wählen gern die kürzeste Linie durch den Wald, weil der Schnee dort scheinbar fest ist. Dort leben jedoch Tiere, die im Winter mit wenig Energie auskommen müssen. Das Birkhuhn gräbt sich in Schneehöhlen ein, um der Kälte zu entgehen, und jede Störung zwingt es zum Auffliegen, was Energie kostet, die es bis zum Frühjahr nicht ersetzen kann. Auch Rehe, Rotwild und Gämsen zehren im Winter von ihren Reserven, und wiederholtes Aufschrecken schwächt sie. Wildruhezonen und markierte Routen sind eingerichtet worden, um solche Störungen zu verringern, und wer auf den Wegen bleibt, schont die Reserven der Tiere.
- Zu kleine Rahmen im Pulverschnee, die trotzdem tief einsinken.
- Eine Route quer durch den Jungwald, wo Tiere ihre Winterruhe halten.
- Zu dicke Kleidung am Anfang, die im Anstieg durchnässt und in der Pause auskühlt.
Touren auf breiten Wegen und offenen Flächen bringen meist das bessere Erlebnis, denn dort ist die Aussicht weiter und der Schnee gleichmäßiger. Eine Tagestour von zwei bis drei Stunden reicht für den Einstieg völlig aus. Mit Kraft für mehr findet sich im Beitrag über das Langlaufen in Oberstdorf eine zweite Art, den Winter in Bewegung zu erleben, und die Landschaft der Täler vom Schneeschuh aus unterscheidet sich vom Blick aus der Loipe deutlich, weil der Schneeschuh dorthin führt, wo keine Spur gespurt ist.