Carl Hirnbein und der Käse, der das Allgäu veränderte

Ein Bauernsohn aus dem Weiler Wilhams bei Missen treibt 1824 als Hirte eine Rinderherde nach Oberitalien und kommt mit einer Idee zurück, die das Allgäu verändert: Milch lässt sich zu Käse machen, den man über weite Strecken verkaufen kann. Carl Hirnbein, geboren am 27. Januar 1807 und gestorben am 13. April 1871 in Weitnau, gilt deshalb als einer der wichtigsten Agrarreformer der Region. Auf ihn gehen zwar nicht alle Neuerungen zurück, die ihm zugeschrieben werden, doch kaum jemand im Oberallgäu des 19. Jahrhunderts verband Viehhandel, Käsereien, Almwirtschaft und sogar den frühen Fremdenverkehr so beharrlich miteinander. Was von diesem Mann belegt ist und was sich mit der Zeit zur Legende verdichtet hat, lässt sich anhand der Lebensdaten recht gut trennen.

Wichtig ist der Blick auf die Ausgangslage. Im frühen 19. Jahrhundert lebte die Landwirtschaft zwischen Immenstadt, Sonthofen und Kempten vom Vieh, aber der Absatz war schmal. Butter und einfacher Hartkäse für den Eigenbedarf und den nächsten Markt, dazu der Verkauf von Jungvieh, mehr trug die Wirtschaft kaum. Genau in diese Lücke stieß Hirnbein, und der Weg dorthin begann nicht in einer Käserei, sondern auf den Saumpfaden über die Alpen.

1807 bis 1824 vom Hof in Wilhams auf die Passwege

Hirnbein wuchs als ältestes Kind von Johann Hirnbein und Franziska, geborene Eldracher, in Wilhams auf, heute ein Ortsteil von Missen-Wilhams. Nach der Volksschule im Dorf besuchte er von 1819 bis 1821 die Höhere Bürgerschule in Kempten, eine für einen Bauernsohn dieser Zeit ungewöhnlich lange Ausbildung. Dazu kamen Privatstunden in Architekturzeichnen und Italienisch. Die Sprache sollte sich als nützlich erweisen, denn der Vater handelte mit Vieh und Käse und unterhielt Beziehungen nach Süden.

Es folgte eine kaufmännische Lehre in Rovereto im heutigen Trentino, einer Handelsstadt an der Etsch, in der Waren zwischen Italien und dem Norden umgeschlagen wurden. 1824 begleitete der Siebzehnjährige als Hirte einen Rindertransport nach Oberitalien, und in den folgenden Jahren trieb er selbst drei bis vier Mal im Jahr Herden über die Alpen. Schon ein Blick auf die Strapazen erklärt den späteren Erfolg: mehrere Wochen auf Passwegen, Futter und Quartier für Dutzende Tiere, Zahlungen in fremder Währung und Verhandlungen mit Händlern, die jeden Preis drückten. In diesen Jahren lernte Hirnbein, wie Märkte funktionieren, und er sah, welche Käsesorten im Süden und Westen begehrt waren, während das Allgäu sie nicht herstellte.

1827 bis 1837 Emmentaler und Limburger

Der Vater führte die Firma ab 1830 mit dem Teilhaber Alois Rädler weiter, sie hieß nun Hirnbein und Rädler. Zu diesem Zeitpunkt lief im Allgäu bereits ein Versuch mit Schweizer Käse. 1827 hatte Josef Aurel Stadler den Schweizer Johann Althaus als Käser angestellt, und mit ihm gelang die Herstellung von Emmentaler in befriedigender Qualität. Dieser Erfolg gehört zur Vorgeschichte, an der Hirnbein anknüpfte, die er aber nicht allein geschaffen hat.

Seine eigene Spur ist der Weichkäse. 1829 reiste er in die Gegend um Limburg im heutigen Belgien, um die Herstellung des Limburger Käses zu studieren. Der erste Versuch in Oberwilhams fiel wenig befriedigend aus, also schickte er Allgäuer Burschen zur Ausbildung ins Limburgische. 1837 verfasste der Buchhalter Wilhelm Ditt eine Anleitung in zehn Punkten, die unter anderem Öfen in den Beizkellern vorsah, damit die Rinde die richtige Reife bekam. Der bis dahin verbreitete Backsteinkäse wurde innerhalb weniger Jahre fast vollständig von Limburger und Romadur verdrängt. Hirnbein betrieb zeitweise 20 bis 30 eigene Betriebe und schloss Lieferverträge mit zahlreichen Bauern, die ihm ihre Milch verkauften. Aus Galtalpen für trockenstehendes Jungvieh machte er Sennberge, auf denen gemolken und gekäst wurde, was deren Wert deutlich steigerte.

1836 und der Streit um den Geruch

Ein Eintrag der Lebensgeschichte wirkt heute komisch und war damals ernst gemeint. 1836 forderte der Magistrat in Kempten, den Käsehandel einzuschränken, weil die gereiften Weichkäse in der Stadt schlicht stanken. Limburger entsteht durch Rotschmiere auf der Rinde, und was Kenner lieben, trieb die Nachbarn der Lagerkeller zur Verzweiflung. Der Streit zeigt, wie schnell die neue Branche gewachsen war: Wo vorher eine Handvoll Bauern ihren Käse selbst verkauften, standen jetzt Lagerhäuser mitten in der Stadt.

Hirnbein ließ sich davon nicht bremsen, zumal die Nachfrage aus den Städten im Norden und Westen stetig wuchs und der Eisenbahnbau die Absatzwege später weiter öffnete. Er verlagerte Teile des Geschäfts, hatte weitere Standorte in Stuttgart und Mannheim und lieferte seine Ware dorthin, wo sie bezahlt wurde. Für die Bauern bedeutete das, ein Jahr nach dem anderen, einen sicheren Abnehmer ihrer Milch, und genau das trug dazu bei, dass die Milchwirtschaft im Allgäu im Lauf des Jahrhunderts zum Rückgrat der Region wurde. Wie heute auf den Sennalpen gekäst wird, beschreibt der Beitrag über den Bergkäse und seine Herstellung, das Leben dort der Text über die Älpler auf der Sennalpe.

Die belegten Stationen des Lebens lassen sich so ordnen:

  1. 1807: Geburt in Wilhams, ältestes Kind eines Viehhändlers.
  2. 1819 bis 1821: Höhere Bürgerschule in Kempten.
  3. 1824: erste Reise als Hirte mit einem Rindertransport nach Oberitalien.
  4. 1829: Studienreise zur Limburger Käserei in Belgien.
  5. 1836: Der Magistrat von Kempten fordert wegen der Geruchsbelästigung eine Einschränkung des Käsehandels.
  6. 1840: Heirat mit Anna Maria Heim aus Weiler.
  7. 1852: Bau des Grüntenhauses.
  8. 1871: Tod an einem typhösen Fieber.

1852 und das erste Hotel in den Allgäuer Alpen

Dass Hirnbein auch im Tourismus einen Platz in den Geschichtsbüchern hat, überrascht zunächst. 1852 ließ er auf dem Grünten, dem markanten Berg bei Sonthofen, das Grüntenhaus errichten, das erste Hotel in diesem Teil der Alpen. Er war außerdem Initiator des ersten Fremdenverkehrsprospekts für das Allgäu. Die Überlegung lag nahe, denn Reisende der Biedermeierzeit begannen, die Berge nicht mehr nur als Hindernis zu sehen. Wem damals eine Sennalpe gehörte, der hatte Milch, Käse, Brot und Holz für den Ofen vor Ort, es fehlten lediglich Betten und ein Dach, das auch bei Regen Gäste hielt. Daher gilt: Wem ein Berg mit eigener Alpwirtschaft gehört, kann Städtern, die auf der Suche nach frischer Luft und Aussicht waren, Milch, Käse und ein Bett verkaufen. Das Haus auf dem Grünten steht noch, wird heute aber nur als einfache Wanderhütte betrieben. Der Grünten gilt wegen seiner freistehenden Lage am Rand der Allgäuer Alpen als Aussichtsberg mit weitem Blick bis ins Alpenvorland, was Städter anzog.

Daneben kaufte er um die Jahrhundertmitte die Immlersche Brauerei in Weitnau und machte sie zur Hirnbein Brauerei, und er saß in der zweiten Kammer des Bayerischen Landtags. In einer Person trafen sich Stall, Käsekeller, Bierbrauerei und Parlament, was für das Allgäu der Zeit außergewöhnlich war.

Was von Hirnbein bleibt

Am 13. April 1871 starb Hirnbein in Weitnau an einem typhösen Fieber. Von seinen sechs Kindern erreichten nur Josepha und Johann Baptist das Erwachsenenalter. Sein Schwiegersohn Josef Widmann, Baurat und Jahrgang 1833, führte die Agrarreform im Allgäu weiter und gründete den Milchwirtschaftlichen Verein sowie die Allgäuer Herdebuchgesellschaft, womit die Zucht auf eine geordnete Grundlage kam. Ein Herdebuch hält Abstammung und Leistung der Tiere fest, damit Züchter Stiere und Kühe nach nachprüfbaren Eigenschaften auswählen können und nicht nach dem Augenschein. Mehr zur Rinderrasse, die diese Arbeit prägte, steht im Beitrag über das Allgäuer Braunvieh.

Straßen in Kempten, Sonthofen, Immenstadt und Wangen tragen seinen Namen, in Missen-Wilhams erinnern ein Museum und ein Informationswanderweg nach Weitnau an ihn, und der Schriftsteller Peter Dörfler nannte ihn in einer Trilogie der Jahre 1934 bis 1936 den Patriarchen des Allgäus. 2011 erschien ein Dokumentarfilm über den Allgäu Pionier. Dass sein Name bis heute auf Straßenschildern steht, spricht für nachhaltigen Einfluss auf die Region zwischen Kempten und den Bergen. Bei aller Verehrung bleibt die nüchterne Bilanz: Hirnbein war ein Unternehmer, der vorhandene Ideen konsequent im großen Maßstab umsetzte, und gerade das machte ihn für die Region so folgenreich.

Der Alpensalamander im Allgäu und sein Name Reagamändle

Auf einem nassen Waldweg im Oberallgäu liegt nach dem Regen ein schwarzes, glänzendes Tier, kaum länger als ein Finger und unbeeindruckt von nahenden Schritten. In der Mundart heißt es Reagamändle, das Regenmännlein, und der Name verrät, wann es sich zeigt: bei Regen oder kurz danach, meist zwischen Mai und Oktober. Gemeint ist der Alpensalamander, ein Lurch, der in Deutschland nur in den nördlichen Kalkalpen, im bayerischen Voralpenland und in der Adelegg im Südosten Baden-Württembergs vorkommt. Zum Lurch des Jahres 2026 wurde er gewählt, und das hat einen guten Grund: Kaum ein anderes heimisches Tier verbindet so viel Unscheinbarkeit mit so viel Aufwand. Er ist zudem ein Amphibium und kein Reptil, auch wenn er im Volksmund häufig mit Echsen in einen Topf geworfen wird. Auffällig ist nicht seine Farbe, sondern seine Art, Nachwuchs zu bekommen. Das Weibchen trägt die Jungen mindestens zwei Jahre aus, in den höchsten Lagen nach manchen Angaben bis zu vier Jahre, und bringt am Ende zwei fertig entwickelte Tiere zur Welt, die sofort an Land laufen. Eine so lange Tragzeit gilt als eine der längsten unter allen Wirbeltieren. Während der Feuersalamander im Tal seine Larven in einen Bach setzt, braucht der Alpensalamander überhaupt kein Gewässer, und genau das erlaubt ihm ein Leben in Höhen, in denen andere Lurche längst aufgeben.

Zwei Junge aus fünfzig Eizellen

Im Körper des Weibchens reifen etwa 40 bis 50 Eizellen heran, doch nur zwei davon entwickeln sich weiter. Die übrigen dienen als Nahrung: Die beiden Embryonen zehren zuerst vom Dotter der Geschwister und danach von Gewebe der Mutter. Der Nachwuchs wird also nicht zusammen mit vielen Geschwistern ins Leben geschickt, sondern in einem aufwendigen Verfahren zu zwei kräftigen Jungen herangezogen.

Die Neugeborenen messen 40 bis 55 Millimeter. Bei einer Mutter von zwölf bis fünfzehn Zentimetern Länge ergibt das ein Verhältnis von gut einem Viertel bis knapp der Hälfte der Körperlänge, ein Wert, der bei Lurchen ungewöhnlich hoch ist.

Die naheliegende Erklärung dafür liegt im Gelände. In Kalkgebirgen versickert Wasser rasch, Tümpel und ruhige Bachstellen sind rar, und die kalte Jahreszeit dauert lang. Larven, die erst im Wasser heranwachsen müssten, hätten dort kaum eine Chance. Ein Jungtier dagegen, das nach Jahren im Mutterleib fertig geboren wird, kann sofort Nahrung suchen und sich verstecken. Auch das Verhältnis von Aufwand und Ertrag ist ungewöhnlich: Aus etwa fünfzig Anlagen gehen zwei Tiere hervor, das ist ein Fünfundzwanzigstel. Der Preis dieser Strategie ist ein sehr geringer Nachwuchs pro Jahr, und das macht jede einzelne Population empfindlich gegenüber Verlusten.

Zahlen und Merkmale im Vergleich mit dem Feuersalamander

MerkmalAlpensalamanderFeuersalamander
Färbungdurchgehend pechschwarzschwarz mit gelben Flecken oder Streifen
Längemeist 12 bis 15 Zentimetermeist 15 bis 20 Zentimeter
Nachwuchszwei fertige Junge an LandLarven, die im Bach abgesetzt werden
Tragzeitzwei bis vier Jahrerund neun Monate
Höhenlage in Deutschlandetwa 600 bis 2.100 Metermeist unter 1.000 Meter
Bedarf an GewässernkeinesQuellbäche für die Larven

Beim ersten schwarzen Salamander im Wald liegt der Gedanke an den gelb gezeichneten Verwandten nahe. Dabei trennen die beiden Arten weit mehr als die Farbe. Das Gesamtareal des Alpensalamanders reicht vom Rhonetal bis nach Slowenien und endet etwa 50 Kilometer vor Wien, ein schmaler Streifen entlang der Alpen, in dem er an Felshängen, in Bergwäldern und auf Almweiden lebt. Die Weibchen sind etwas größer als die Männchen. Welche Unterschiede sonst bestehen, zeigt die vorangestellte Gegenüberstellung, in der auch der Verwandte aus dem Tal vorkommt, den viele Wanderer aus dem Mittelgebirge kennen.

Die Tragzeit fällt am stärksten ins Gewicht: Beim Alpensalamander ist sie mindestens doppelt so lang wie beim Feuersalamander und kann ein Vielfaches davon erreichen, nämlich mehr als das Fünffache. Zwei Drittel der bayerischen Fundorte liegen oberhalb von 1.000 Metern, im Allgäu ist die Art in den Kalkgegenden der Allgäuer Alpen und der Vorberge zu finden, und zwar vor allem dort, wo schattige Wälder mit Blockwerk und Moos durchsetzt sind. Verwechslungen sind zudem selten, denn gelbe Zeichnung fehlt dem Alpensalamander vollständig. Ein einfarbig schwarzes Tier in Höhenlagen über 1.000 Metern gehört fast sicher zu dieser Art.

Wo und wann er sich zeigt

  • Feuchtes Wetter, am besten während oder kurz nach Regen.
  • Die Monate Mai bis Oktober.
  • Kalkgebiete vom Voralpenland bis in die Hochlagen oberhalb der Baumgrenze.
  • Schattige Wälder mit Totholz, Moos, Blockwerk oder Latschengebüsch.

Tagsüber sitzt der Alpensalamander versteckt unter Totholz, Steinen und Moos, aktiv wird er in feuchter, kühler Witterung. Die Nahrung besteht aus Schnecken, Regenwürmern, Spinnen, Asseln und kleinen Insekten, alles, was sich am Waldboden erwischen lässt.

Die schwarze Haut erfüllt zwei Aufgaben zugleich. Zum einen nimmt sie Sonnenwärme auf, was in kalten Hochlagen den Kreislauf in Gang hält, zum anderen macht sie das Tier auf dunklem Boden schwer erkennbar. Wo Latschenkiefern, Bergmischwald und Blockhalden aneinandergrenzen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung am größten. Sicher ist sie nie, denn selbst in guten Lebensräumen bleiben die meisten Tiere unter ihrer Deckung. Auf einem Regenspaziergang Richtung Oytal, Stillachtal oder in die Hindelanger Berge stehen die Aussichten auf ein Reagamändle am besten. In Oberbayern heißt es Regenmanndl, in Berchtesgaden Bergmandl, drei Namen für dasselbe Tier, und alle drei verweisen auf Regen oder Berg. Auf Forstwegen ist es dann leicht zu übersehen und zugleich in Gefahr, denn die Tiere laufen quer über den Weg und flüchten nicht schnell. Dass sie nach dem Regen die Wege queren, hat einen Grund: Der nasse Boden erlaubt ihnen, weite Strecken zurückzulegen, ohne auszutrocknen, und die Beute ist dann ebenfalls unterwegs. Bei Trockenheit ziehen sie sich dagegen tief in Spalten zurück und sind wochenlang kaum zu finden. Die Suche hängt daher stark vom Wetter ab.

Gefährdung durch Räder und Klima

Auf den Roten Listen Deutschlands und Bayerns gilt die Art als nicht gefährdet, in der EU steht sie dennoch im Anhang IV der Habitatrichtlinie und ist streng geschützt. Der nationale Bericht von 2025 stuft den Erhaltungszustand als ungünstig ein, vor allem wegen der Erwärmung, die feuchte Lebensräume austrocknet. Hinzu kommt der Verkehr: Auf Forststraßen sterben bei nassem Wetter viele Tiere unter Rädern, vor allem unter denen schneller Elektrofahrräder. Der Hautpilz Bsal, der in den Niederlanden und in Belgien ganze Feuersalamanderbestände ausgelöscht hat, wurde beim Alpensalamander bisher nicht nachgewiesen. Das gilt als Glück, denn bei einer Art mit zwei Jungen pro Geburt und mehrjähriger Tragzeit ließe sich ein Verlust über Jahrzehnte nicht ausgleichen. Selbst ein leichter Rückgang der Geburtenzahl wirkt sich so über viele Jahre aus.

Einfache Verhaltensweisen schützen die Tiere, ohne dass jemand auf eine Wanderung verzichten müsste. Bei Regen auf Forstwegen langsamer zu fahren oder abzusteigen, hilft ebenso wie das Liegenlassen von Totholz und Steinen, die als Tagesversteck dienen. Gefundene Tiere sollten weder angefasst noch versetzt werden. Beobachtungen aus dem Allgäu können örtlichen Naturschutzstellen gemeldet werden. Die Maßnahmen kosten nur Aufmerksamkeit und ein wenig Zeit, und sie helfen auch anderen Waldbewohnern, die bei Nässe die Wege queren, etwa Bergmolchen, Kröten und Schnecken.

Mehr über die großen Tiere derselben Berge steht im Beitrag über Wildtiere in den Allgäuer Bergen im Überblick.

Die Sturmannshöhle bei Obermaiselstein und das Eis aus der Eiszeit

Im tiefsten Punkt der Sturmannshöhle bei Obermaiselstein lag über Jahrzehnte etwa ein Kubikmeter Eis, und die Pollenanalyse ergab ein Alter von rund 20.000 Jahren. Dieses Eis stammte demnach aus der letzten Eiszeit, als Gletscher die Täler am Alpenrand füllten. Inzwischen ist es vollständig geschmolzen, ein Verlust, der sich in wenigen Jahren vollzog und den Besuchern nur noch als Erzählung bleibt. Die Höhle selbst liegt auf 978 Metern Höhe oberhalb des Dorfes, hält sich bei etwa 4 Grad Celsius und erstreckt sich über rund 460 Meter Länge und 74 Meter Höhenunterschied. Der Name geht auf das mittelalterliche Wort Sturmatz zurück, das Lärm oder Tosen bedeutet, eine von mehreren Deutungen, die plausibel klingt, weil im Inneren ein Höhlenbach rauscht. Die Temperatur bleibt über das Jahr nahezu gleich: Im Hochsommer ist es im Berg nicht wärmer als im Winter, und das macht die Höhle zu einem Archiv, in dem sich Spuren der Eiszeit länger hielten als an jedem Hang draußen. Auch die Lage trägt dazu bei, denn der Eingang öffnet sich im Kalkfels oberhalb von Obermaiselstein im Oberallgäu, geschützt vor Sonne und Wind.

Eine Kaltfalle ohne unteren Eingang

Dass sich Eis über 20.000 Jahre halten konnte, liegt an der Bauweise der Höhle. Die Höhle besitzt keinen unteren Eingang, sondern nur eine Öffnung am oberen Ende. Kalte Winterluft ist schwerer als warme und sinkt in den Schlund hinab, wo sie sich sammelt wie Wasser in einem Trog. Die wärmere Sommerluft dagegen bleibt oben und dringt kaum nach unten, weil sie leichter ist. So entsteht eine Kaltfalle, in der es im tiefsten Teil dauerhaft kälter ist als draußen. Erst die Erwärmung der letzten Jahrzehnte hat diesen Mechanismus überfordert.

Das Gestein erklärt die Form. Die Höhle liegt im Schrattenkalk, einem fossilreichen Kalkstein aus der Kreidezeit. Bei der Auffaltung der Alpen wurden diese Schichten um etwas mehr als 90 Grad gekippt, sie stehen also senkrecht. Das Wasser folgte einer solchen Schichtgrenze und löste den Kalk zu einem schmalen, hohen Gang, einer Spaltenhöhle. Anders als viele Höhlen verdankt sie ihre Gestalt nicht einer Störung der Erdkruste, sondern dem Verlauf der Schichten selbst. Im Inneren fließt ein Bach, dessen hinterer, untergetauchter Teil bis heute unerforscht ist. Eine Fledermauskolonie lebt in der Höhle nicht, es ist also vor allem das Wasser, das hier arbeitet.

Wie viel Wasser durch die Höhle fließt

  1. Ein Färbeversuch hat gezeigt, dass das Wasser in der Fellbachsursprungshöhle wieder austritt. Die Quelle schüttet im Mittel etwa 15 Liter pro Sekunde, bei 4 bis 6 Grad.
  2. 15 Liter pro Sekunde mal 60 ergeben 900 Liter pro Minute.
  3. 900 Liter mal 60 ergeben 54.000 Liter pro Stunde, also 54 Kubikmeter.
  4. 54 Kubikmeter mal 24 ergeben 1.296 Kubikmeter pro Tag.
  5. 1.296 Kubikmeter mal 365 ergeben 473.040 Kubikmeter pro Jahr.
  6. Ein olympisches Schwimmbecken fasst rund 2.500 Kubikmeter, das Jahresvolumen entspricht demnach etwa 190 Becken.

Zum Vergleich dient das Eis: Ein Kubikmeter wiegt bei einer Dichte von rund 917 Kilogramm je Kubikmeter fast eine Tonne. Die Quelle liefert an einem einzigen Tag das 1.296fache dieses Volumens. Der Eisklotz war also ein winziges Überbleibsel und kein Speicher. Ein Alter von 20.000 Jahren bedeutet zudem, dass die Eisbildung um das Jahr 18.000 vor Christus einsetzte, in der Zeit des letzten Kältemaximums. Die Zahl von 15 Litern ist ein Mittelwert und verdeckt die Schwankungen im Jahreslauf: In der Schneeschmelze fließt ein Vielfaches, im Spätwinter deutlich weniger. Für die Rechnung genügt der Durchschnitt, weil er die Größenordnung zeigt, und die liegt bei knapp einer halben Million Kubikmeter im Jahr, eine Menge, die den Berg über Jahrtausende ausgewaschen hat und ihn weiterhin formt. Mit bloßem Auge ist davon nur wenig zu erkennen: Das Wasser arbeitet im Verborgenen, löst Kalk Korn für Korn und trägt ihn hinaus, sodass der Gang jedes Jahr um einen kaum messbaren Betrag weiter wird. Über Zeiträume von Zehntausenden Jahren, in denen sich Eiszeiten und Warmzeiten abwechselten, summiert sich das zu einem Hohlraum, der sich durch 74 Höhenmeter zieht.

Was sich nicht sicher sagen lässt

Die Höhle zählt zu den bekanntesten Zielen der Gegend und ist doch in mehreren Punkten ungeklärt. Zahlen und Geschichten über sie widersprechen sich teilweise oder gelten nur als Deutung.

Die Unterscheidung ist nützlich, weil Beschreibungen in Prospekten, Führungen und Erzählungen vor Ort nicht immer dasselbe meinen und weil ein Detail, das vielfach wiederholt wird, deshalb noch nicht belegt ist. Fünf Punkte verdienen den Vorbehalt, und bei jedem lässt sich genau sagen, was gesichert ist und was nicht. Gesichert sind die Lage, die Temperatur, die Jahreszahlen der Erschließung und der Weg des Wassers durch den Berg, das Übrige beruht auf Deutung oder auf Einzelmessungen.

  • Die Länge wird in Veröffentlichungen unterschiedlich angegeben, je nachdem, ob die gesamte erkundete Strecke oder nur der Teil zählt, den die Führung zeigt.
  • Der hintere Teil des Höhlenbachs ist untergetaucht und bisher nicht erforscht, ein Tauchversuch im Höhlensee fand 1965 statt.
  • Die Herkunft des Namens Sturmatz ist eine Deutung, kein bewiesener Befund.
  • Das Alter des Eises beruht auf einer Pollenanalyse, einem mittelbaren Verfahren, das Schichten anhand eingeschlossener Blütenstaubkörner einordnet.
  • Die Frage, wer als Erster den Höhlenfluss erreichte, wird unterschiedlich überliefert: Genannt werden der Lehrer Franz Xaver Epplen und Hans Rietzler.

Auch beim Eis bleibt ein Rest Unsicherheit. Pollen im Eis verraten, welche Pflanzen damals in der Umgebung blühten, und erlauben eine Einordnung in die Zeit, doch ein Kubikmeter ist wenig Material, und die Datierung gilt für diesen Rest, nicht für die ganze Höhle. Die Höhle selbst ist sehr viel älter als das Eis, denn die Spalte im Kalkstein musste lange vor der Eiszeit bestehen, damit sich darin überhaupt etwas ablagern konnte. Das Eis war ein später Gast in einem alten Gang. Von den kleinen Schatzsuchern, die in der Höhle wohnen sollen, erzählen die Überlieferungen von Berggeistern und Venedigermännle.

Von den ersten Versuchen bis zur Eröffnung 1905

Der erste schriftlich belegte Versuch, die Höhle zu betreten, stammt von 1815. Ein Dr. Geiger scheiterte damals an den Schächten. 1854 erkundete ein Dr. Gross die Höhle, 1877 bauten Dr. J. Oertel und Mitglieder des Alpenvereins einen Weg samt Stegen und Leitern. Eine weitere Erkundung folgte 1886, und 1904 ging der Lehrer Epplen bis zum Höhlensee. Im Jahr darauf gründete sich der Höhlenbauverein, der die Erschließung vorantrieb, und am 23. Juli 1905 wurde die Höhle für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Besucherzahlen zeigen, wie sehr sich der Ort veränderte. Im Jahr 1906 kamen rund 3.000 Menschen, 2003 waren es etwa 45.000, 2023 rund 50.000, das Sechzehn- bis Siebzehnfache innerhalb von 117 Jahren. Die Beleuchtung war zuerst elektrisch und ist heute auf LED umgestellt, am Ende der Führung taucht farbiges Licht den Gang in andere Töne. Eine solche Entwicklung ist für eine Höhle ungewöhnlich, denn jeder Besucher bringt Wärme, Atemluft und Licht mit, und all das wirkt auf ein Gleichgewicht ein, das über Jahrtausende stabil war. Vom Dorf aus führt ein Fußweg von etwa einer halben Stunde zur Höhle auf dem Haubenegg. Öffnungszeiten und Eintrittspreise ändern sich und gehören vor einem Besuch bei den Betreibern der Höhle nachgeprüft.

Heinrich von Kempten und der Kaiser im Badezuber

Ein Ritter springt nackt aus dem Badezuber, greift nach Schwert und Schild und rettet den Kaiser, der ihn zehn Jahre zuvor vom Hof gejagt hat. Diese Szene gilt vielen als Allgäuer Sage, weil der Held Heinrich von Kempten heißt und der Name an die Stadt im Allgäu erinnert. Tatsächlich ist die Geschichte keine Volkssage im strengen Sinn, sondern ein mittelalterliches Gedicht mit bekanntem Verfasser. Konrad von Würzburg, geboren um 1235, gestorben 1287 und ab etwa 1260 vor allem in Basel und Straßburg tätig, schrieb sie in rund 770 Versen auf. Der Unterschied ist mehr als Haarspalterei. Eine Sage entsteht anonym, wandert über Generationen von Mund zu Mund und bleibt an einem Ort haften, an einem Berg, einem See oder einer Ruine. Ein Gedicht dagegen hat einen Dichter, einen Widmungsträger und eine feste Textgestalt, die sich in Handschriften nachweisen lässt. Hier kommt beides zusammen: Der Text ist Dichtung, sein Held trägt einen Allgäuer Namen, und Sagensammlungen haben die Erzählung dem Allgäu zugeschlagen, in einer gängigen Online-Sammlung steht sie sogar an erster Stelle. Die Spur zurückzuverfolgen führt allerdings weder auf eine Alpe noch an ein Herdfeuer, sondern an einen Kaiserhof, in lateinische Chroniken und in die Schreibstuben des 13. Jahrhunderts.

Woher die Annahme einer Allgäuer Volkssage kommt

Drei Gründe machen die Verwechslung leicht. Erstens der Name: Ein Ritter, der sich nach einer Stadt nennt, wirkt wie ein Mann aus der Region, und Kempten zählt zu den ältesten Städten im Allgäu. Zweitens die Form der Erzählung, die kurz und bildhaft ist und eine Pointe hat, genau wie die Geschichten, die sonst an Allgäuer Bergen haften. Der Kaiser schwört bei seinem Bart, der Ritter packt ebendiesen Bart, und am Ende steht eine Versöhnung, die jeder Zuhörer sofort versteht. Drittens die Sammeltätigkeit späterer Zeiten, denn wer Sagen einer Landschaft zusammentrug, nahm gern alles auf, was einen Ortsnamen enthielt, und trennte selten sauber zwischen mündlicher Überlieferung und Literatur. Hinzu kommt ein Mechanismus, den die Volkskunde gut kennt: Eine literarische Erzählung kann in den Volksmund zurückfließen. Dichtungen des Mittelalters wurden vorgelesen, später gedruckt, später nacherzählt, und irgendwann erinnerte sich niemand mehr an den Dichter, nur noch an die Geschichte. Aus dem Gedicht wird dann eine Erzählung ohne Verfasser, die aussieht wie eine Sage. Ob das beim Ritter aus Kempten tatsächlich geschah, lässt sich aus den erhaltenen Zeugnissen nicht belegen. Belegbar ist nur der Weg in die andere Richtung, von der Schrift zur Sammlung.

Was die Handschriften tatsächlich zeigen

  1. Um 1191 steht in Gottfrieds von Viterbo Pantheon eine lateinische Erzählung über einen Vorfall unter Kaiser Otto I., der von 912 bis 973 lebte.
  2. Konrad von Würzburg erweitert den Stoff ab etwa 1260 zu einer höfischen Erzählung mit Widmung an den Propst des Straßburger Doms.
  3. Handschriften des Gedichts entstehen in den folgenden Jahrhunderten, sechs davon enthalten den vollständigen Text.
  4. Edward Schröder legt zwischen 1925 und 1930 die maßgebliche Ausgabe vor.

Zwischen dem Vorfall und Konrads Fassung liegen demnach rund drei Jahrhunderte, und die Welt, die das Gedicht schildert, ist die des Hochmittelalters, nicht die des zehnten Jahrhunderts. Erhalten sind die vollständigen Fassungen unter anderem in Heidelberg, Innsbruck und Wien sowie im Codex Bodmer bei Genf, Fragmente in London enthalten nur die letzten Verse, 764 bis 770. Das ist eine Überlieferungslage, wie sie für höfische Literatur typisch ist, und sie unterscheidet sich grundlegend von der einer Sage, von der es meist keine einzige Urfassung gibt.

Die Handlung lässt sich in wenigen Zügen wiedergeben. Beim Osterfest in Bamberg schlägt der kaiserliche Truchsess einen jungen Herzogssohn blutig, weil dieser sich vor dem Essen ein Stück Brot genommen hat. Heinrich von Kempten, der Erzieher des Jungen, erschlägt den Truchsess. Dann bedroht er den Kaiser mit dem Messer, packt ihn am Bart und würgt ihn. Otto gewährt freies Geleit, verbannt den Ritter aber vom Hof. Zehn Jahre später liegt der Kaiser vor einer italienischen Stadt im Feld. Heinrich, der ihm aus dem Weg gehen will, badet in einem Zuber vor seinem Zelt, sieht Aufständische auf den Kaiser zustürmen und springt nackt heraus. Der Kaiser will den unbekannten Retter belohnen, erfährt dessen Namen, verzeiht und verleiht ihm ein Lehen.

Fünf Merkmale für die Unterscheidung von Sage und Dichtung

Eine Erzählung einzuordnen gelingt mit fünf Fragen. Gibt es einen genannten Verfasser? Bei Konrad ja, bei einer Sage fast nie. Gibt es eine feste Textform in Handschriften, mit Versen, Reimen und Widmung? Beim Gedicht ja. Ist die Erzählung an einen Ort gebunden, der noch heute im Gelände zu finden ist? Bei Sagen vom Schrecksee, vom Gottesacker oder vom Säuling stimmt das, bei Heinrich nicht, denn dessen Schauplätze sind Bamberg und eine namenlose Stadt in Italien. Hat die Erzählung eine ausdrückliche Lehre? Konrads Text endet mit einer Mahnung zu Tapferkeit und rechtem Rittertum, Sagen deuten dagegen meist nur an. Und wie stark weichen die Fassungen voneinander ab? Sagen existieren in vielen mündlichen Varianten, ein Gedicht in einer Textgestalt mit geringen Abweichungen zwischen den Abschriften. Auf den Ritter aus Kempten angewendet, ergibt der Test vier Merkmale der Dichtung und kein einziges einer ortsgebundenen Volkssage. Dass die Erzählung dennoch in Sagenbüchern steht, sagt mehr über die Sammler als über den Stoff. Echte Überlieferungen aus den Allgäuer Bergen schildert der Beitrag Sagen aus dem Allgäu und ihre Schauplätze, dort lässt sich der Unterschied an Beispielen nachvollziehen.

Was an der Zuordnung zum Allgäu berechtigt ist

Ganz falsch liegt die Zuordnung nicht. Der Name bindet die Figur tatsächlich an die Stadt, und die Geschichte hat Spuren in der Region hinterlassen, weil sie dort aufgegriffen und weitererzählt wurde. Auch inhaltlich passt sie zu einem Muster, das in den Bergen vertraut ist: Ein Mächtiger verliert die Beherrschung, ein Untergebener erträgt es nicht, am Ende gewinnt die Treue über die Strenge. Weil das Motiv so allgemein menschlich ist, konnte es von einem Hof am Oberrhein bis in eine Sagensammlung über das Allgäu wandern, ohne seine Wirkung zu verlieren. Fragwürdig ist allein der Ursprung, nicht die Geschichte selbst. Die Erzählung bleibt ein gutes Beispiel dafür, wie Literatur und Volksüberlieferung einander durchdringen und warum der Blick in die Handschrift manchmal mehr verrät als der Blick ins Gelände. Bei der Suche nach Spuren des Ritters in Kempten findet sich der Name, aber kein Ort der Handlung, und genau das spricht für eine Dichtung, die durch viele Hände gewandert ist. Vier Punkte halten den berechtigten Teil der Annahme fest.

  • Der Ritter trägt den Namen einer Allgäuer Stadt, und diese Verbindung ist im Text selbst verankert.
  • Die Erzählung ist in Sagensammlungen zum Allgäu gelandet und gehört damit zur Rezeptionsgeschichte der Region.
  • Das Motiv von der Versöhnung nach einem Gewaltausbruch kehrt in vielen alpenländischen Überlieferungen wieder.
  • Ob der Kern auf einen wirklichen Vorfall unter Otto I. zurückgeht, bleibt offen und sollte weder behauptet noch ausgeschlossen werden.

Eine saubere Formulierung lautet deshalb: eine mittelalterliche Rittererzählung mit Allgäuer Namen, überliefert in Handschriften und später in Sagenbüchern der Region verzeichnet.

Die Vereinödung im Allgäu und der Umbau der Dörfer

Auf einer Fahrt durch das Westallgäu fallen Höfe auf, die mitten in ihren Wiesen stehen, einzeln, weit voneinander entfernt, jeder von eigenem Grün umgeben. Dieses Bild wirkt uralt, ist aber das Ergebnis einer Umwälzung, die im 16. Jahrhundert begann und 1770 per Verordnung zur Regel wurde: der Vereinödung. Dabei wurden die Äcker und Wiesen eines Dorfes neu verteilt, sodass jeder Bauer seine Flächen an einem Stück erhielt, und viele Höfe zogen aus dem Dorfkern hinaus auf das eigene Land. Aus Haufendörfern wurden Einzelhöfe, aus gemeinsamem Wirtschaften wurde Eigenverantwortung. Kaum eine andere Maßnahme hat das Aussehen des Allgäus so stark geprägt, und kaum eine ist heute so selbstverständlich geworden, dass niemand mehr nach ihrem Anfang fragt. Der Name leitet sich von der Einöde ab, einem Einzelhof ohne Nachbarn, und er trifft die Sache genau. Ein Bauer, der zuvor Dutzende schmale Streifen über die Flur verteilt besaß, hatte nach der Teilung ein zusammenhängendes Stück rund ums Haus. Die Wege zu den Äckern verkürzten sich, das Vieh stand auf der Weide vor dem Stall, und niemand konnte mehr vorschreiben, wann gesät oder gemäht wurde.

Das Dorf im Mittelalter mit gemeinsamem Feldzwang

Vor der Vereinödung lagen die Häuser eines Dorfes dicht beieinander, und die Felder zogen sich in schmalen Streifen um den Ort. Jeder Bauer besaß viele kleine Stücke, verstreut über die ganze Flur, weil Erbteilungen und Tausch die Besitzverhältnisse zerlegt hatten. Bewirtschaftet wurde nach der Dreifelderwirtschaft: Auf einem Teil der Flur wuchs im Herbst gesäte Winterfrucht, auf einem zweiten im Frühjahr gesäte Sommerfrucht, der dritte lag brach. Weil die Streifen nur über die der Nachbarn zu erreichen waren, musste das ganze Dorf im Gleichschritt arbeiten, vom Pflügen bis zur Ernte. Dieser Flurzwang war bequem für das Gemeinwesen und lästig für den Einzelnen, denn wer früher säen oder anders wirtschaften wollte, durfte es nicht. Im Allgäu kam hinzu, dass Grünland und Viehhaltung wichtiger wurden als der Ackerbau. Das Vieh brauchte Weide in Hofnähe, doch die Wiesen lagen weit entfernt, zersplittert und mit gemeinsamen Nutzungsrechten verflochten. Die Beteiligten wussten um den Nachteil. Als einzelne Gemeinden begannen, ihre Fluren zu ordnen, folgten andere bald nach, und aus dem Wunsch weniger Bauern entstand eine Welle, die im 16. Jahrhundert im Fürststift Kempten ihren Anfang nahm.

Zeitleiste von der ersten Teilung bis zum Käsekessel

Von den ersten Teilungen bis zum Siegeszug des Käses vergingen mehr als zwei Jahrhunderte, in denen sich Zuständigkeiten, Herrschaften und Wirtschaftsweisen mehrfach änderten. Die wichtigsten Stationen lassen sich nach Jahren ordnen, wobei für das 16. Jahrhundert kein genaueres Datum belegt ist.

  1. 16. Jahrhundert: Bauern im Gebiet des Fürststifts Kempten teilen ihre Fluren aus eigenem Antrieb neu auf, die sogenannte Kemptener Periode.
  2. Die Welle breitet sich bis in das Oberamt Saulgau aus.
  3. 1770: Kaiserin Maria Theresia ordnet die Vereinödung für alle Erblande an, auch für das damals vorarlbergische Westallgäu.
  4. 1771: In Lindenberg ist das Verfahren abgeschlossen.
  5. 1779: Das Oberamt Bregenz erlaubt dem Kronenwirt, sein vereinödetes Anwesen zu teilen.
  6. Nach 1827: Auf den großen Wiesen entstehen Käsereien nach Schweizer Art, in denen Emmentaler hergestellt wird.

Die Zeitleiste lässt zwei Abschnitte erkennen. Zuerst kam die freiwillige Phase, getragen von den Bauern selbst, dann die verordnete, durchgeführt vom Kreisamt Bregenz. Aus der freiwilligen Neuordnung wurde ein Verwaltungsvorgang mit Protokollen, Messungen und amtlicher Bestätigung durch die Ortsvorsteher. Die Verordnung von 1770 machte damit aus einer Bewegung von unten ein Programm von oben. Das Westallgäu gehörte zu dieser Zeit zu Vorarlberg und damit zu den österreichischen Erblanden, weshalb nicht Kempten, sondern Bregenz die Durchführung überwachte. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Gegend zu Bayern. Die Unterschiede in der Herrschaft erklären, warum die Vereinödung im einen Gebiet langsam und aus eigenem Antrieb wuchs und im anderen innerhalb weniger Jahre per Erlass abgewickelt wurde. Dass beide Wege zum selben Ergebnis führten, spricht für den Nutzen, den die Betroffenen darin sahen, auch wenn nicht jeder Einzelne zufrieden war und mancher Hof an einem Platz landete, den er sich nicht ausgesucht hätte.

1770 und 1771 am Beispiel Lindenberg

Wie tief der Eingriff reichte, zeigt Lindenberg. Pfarrer Johann Joseph Wettach hielt 1770 in einem Seelenbeschrieb fest, dass die Pfarrei 151 Häuser und 787 Einwohner hatte, 667 Erwachsene und 120 Kinder. Das ergibt im Schnitt gut fünf Menschen pro Haus. Im Dorf Lindenberg selbst bestanden 56 Höfe. Vereinödet wurden 34 davon, und von diesen 34 zog die große Mehrheit hinaus: 28 Höfe, also genau die Hälfte aller Höfe im Dorf, wurden auf das neue Land ausgesiedelt. Rechnerisch bedeutet das, dass von je zehn vereinödeten Höfen etwa acht ihren Platz im Dorf verließen und zwei dort stehen blieben.

Die kleinen Söldnerhäuser blieben unberührt, denn ihre Flächen waren so gering, dass sich eine Zusammenlegung nicht lohnte. Bekannte frühere Aussiedlerhöfe tragen bis heute Namen wie Lindenhof, Fehrhof und Geßlerhof. Aus dem geschlossenen Dorf wurde ein Ort mit weit verteilten Höfen, und die Zahl der Nachbarn, die in Rufweite lebten, sank mit einem Schlag. Für die Familien bedeutete das einen tiefen Einschnitt. Ein ausgesiedelter Bauer musste auf dem zugeteilten Land ein neues Haus samt Stall errichten, mitunter weit von Kirche und Wirtshaus entfernt. Der Bauer, der blieb, hatte zwar kein Haus zu bauen, gab aber Boden und Einfluss an die Nachbarn ab. Beide Seiten stritten um die Einstufung der Böden, denn davon hing ab, wie viel Fläche am Ende zustand.

Schuh, Rute und Juchert beim Messen und Teilen

Geteilt wurde nach Maß und nach Wert. Zwei Schuh galten als ein Schritt, zehn Schuh als eine Rute, und eine Juchert umfasste 600 Quadratruten. Eine Winterfur entsprach etwa zwei Juchert. Rechnet man mit einem Schuh von rund 30 Zentimetern, was von Landschaft zu Landschaft abwich, ergibt eine Rute etwa drei Meter und eine Quadratrute etwa neun Quadratmeter. Eine Juchert wäre dann etwa 5.400 Quadratmeter groß, etwas mehr als ein halber Hektar, und eine Winterfur entsprechend rund ein Hektar. Das sind Näherungswerte, aber sie zeigen die Größenordnung der Parzellen, die zusammengelegt wurden. Gleich große Flächen waren nicht gleich viel wert. Die Bonität bemaß man nach dem geschätzten Reinertrag in Gulden je Flächeneinheit, und Grundstücke nahe am Dorfkern galten als wertvoller als solche am Rand. Der Hof, der aus der Ortsmitte hinauszog, erhielt im Tausch mehr Fläche. So entstand ein Ausgleich, der Streit nicht verhinderte, aber in geordnete Bahnen lenkte. Die Bonität zeigt zugleich, warum Quadratmeter allein nichts aussagten: Bei gleicher Fläche konnte die Ernte stark schwanken, je nach Lage, Feuchte und Boden, und deshalb zählte der erwartete Ertrag in Gulden und nicht die Fläche. Die Protokolle hielt der Ortsvorsteher amtlich fest, damit niemand später das Ergebnis anfechten konnte.

Was die Vereinödung dem Allgäu bis heute hinterlassen hat

Die neuen Besitzverhältnisse wirkten bis in die Familie hinein. Ein vereinödetes Anwesen durfte nur als Ganzes vererbt oder verkauft werden, in Lindenberg erbte meist der jüngste Sohn. Das verhinderte die Zersplitterung, die den Bauern zuvor zugesetzt hatte. Die großen Wiesen am Hof begünstigten die Milchwirtschaft, und mit den Käsereien nach 1827 entstand jener Wirtschaftszweig, für den das Allgäu bis heute bekannt ist. Auch das Landschaftsbild stammt aus dieser Zeit: verstreute Höfe und Wege, die von der Straße zu einem einzigen Haus führen. Selbst die Straßenführung folgt vielerorts den damals gezogenen Grenzen der Parzellen. Ein Hof auf freiem Feld steht damit für eine Entscheidung des 18. Jahrhunderts, die Erbfolge, Wirtschaftsform und Ortsbild bis in die Gegenwart bestimmt.

Es gab auch Verluste. Der Preis für diese Neuordnung war hoch, und er wurde nicht von allen gleich getragen. Die Zersiedelung machte Wege lang, Schulen und Kirchen schwer erreichbar, und der enge Zusammenhalt des Dorfes lockerte sich, weil Nachbarschaftshilfe bei Ernte und Schlachtung nun weite Wege bedeutete. Wie ein Hof im Gebirge überlebte, zeigt der Beitrag über die Arbeit auf einer Sennalpe, und die Geschichte einer abgelegenen Siedlung erzählt Gerstruben.

Funkenfeuer im Allgäu und der Mythos vom heidnischen Brauch

Der Funken im Allgäu soll angeblich ein Überrest germanischer Frühlingsfeste sein, bei dem der Winter samt Hexe im Feuer endet. Das klingt stimmig, hält einer Prüfung aber schlecht stand. Die älteste greifbare Nachricht über einen Brauch mit brennender Holzscheibe stammt aus dem Jahr 1090, die Hexenpuppe auf der Spitze lässt sich erst im 19. Jahrhundert fassen, und aus germanischer Zeit gibt es dazu keinen einzigen Beleg. Trotzdem lodern am ersten Sonntag nach Aschermittwoch in Allgäuer Dörfern, in Vorarlberg, im Schwarzwald und rund um den Bodensee die Feuer. Im Jahr 2027 fällt dieser Funkensonntag auf den 14. Februar, weil Ostern am 28. März liegt und der Sonntag Invocavit sechs Wochen davor zu finden ist. Hinter dem Datum steckt keine Sonnenwende und keine Tag und Nachtgleiche, sondern der Kirchenkalender, und genau das ist der erste Hinweis darauf, wo der Brauch wirklich herkommt. Den Funken zu verstehen heißt deshalb weniger, in Mythen zu graben, als alte Kalender, Brandberichte und Dorfordnungen zu lesen. Genau dort liegen die Antworten auf die Fragen, warum der Brauch gerade an diesem Sonntag stattfindet, warum eine Hexe oben sitzt und warum ein Knall über Glück oder Pech des Jahres entscheidet.

Woher die Geschichte vom heidnischen Feuer kommt

Die Erzählung vom uralten Kultfeuer stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Damals suchten Gelehrte in allem Ländlichen die Reste einer vorchristlichen Religion und deuteten Feuer, Scheiben und Strohpuppen als Winteraustreibung. Josef Thaler schrieb 1798 in diesem Sinn, und noch 1921 vertrat Franz Josef Fischer ähnliche Ansichten. Solche Deutungen waren bequem, denn sie ließen sich weder beweisen noch widerlegen, und sie passten zum Wunsch, in den Alpen eine Welt zu finden, die älter ist als jede Kirche. Hinzu kam die Hexe. Eine verbrannte Frauenfigur weckt fast zwangsläufig den Gedanken an die Hexenverfolgung der frühen Neuzeit, und so verschmolzen zwei Geschichten zu einer, obwohl sie nichts miteinander zu tun haben. Ein weiterer Grund für die Zähigkeit des Mythos liegt in der Form des Brauchs selbst. Ein hoher Holzstoß, entzündet bei einbrechender Dunkelheit, wirkt zeitlos. Vor einem brennenden Turm aus Fichtenstämmen fragt kaum jemand nach der Aktenlage. Dazu trugen Vereine bei, die das eigene Fest gern mit einer möglichst alten Herkunft schmückten, und Reiseberichte, die das Bild vom heidnischen Feuer weitertrugen. So wurde aus einer Vermutung eine Gewissheit, die in Prospekten bis heute überlebt.

Was die Belege tatsächlich zeigen

Die frühesten Quellen sind nüchtern. Aus dem Kloster Lorsch ist ein Brandbericht von 1090 erhalten, wonach junge Männer am Abend des 21. März eine brennende Holzscheibe warfen und damit das Kloster in Brand setzten. Das ist ein Bericht über ein Unglück und keine Beschreibung eines Festes, doch er zeigt, dass Scheibenschlagen damals bekannt war. Danach klafft eine Lücke bis ins 15. Jahrhundert, aus dem Basel Belege liefert, gefolgt von Luzern, Bregenz und Innsbruck im 16. und 17. Jahrhundert. Zwischen der Nachricht von 1090 und der ersten Hexenpuppe liegen rund 800 Jahre, in denen von einer Figur auf dem Holzstoß nirgends die Rede ist.

Wichtiger als jede Einzelquelle ist der Zusammenhang mit der Fastnacht. Seit der Synode von Benevent im Jahr 1091 beginnt die Fastenzeit mit dem Aschermittwoch, doch der Feuertermin blieb am Sonntag danach hängen. Die heutige Brauchtumsforschung sieht den Funken deshalb als Schlusspunkt der alemannischen Fastnacht, also als Ende der Fleischzeit und als Auftakt der Fastenzeit. Passend dazu heißt der Tag in Vorarlberg Küachlisonntag oder Holepfannsonntag, weil dort Schmalzgebäck aus der Pfanne auf den Tisch kommt. Eine Hexe als Sinnbild von Fastnachtsübermut passt in dieses Bild besser als jede Göttin.

Wie ein Funken entsteht und warum er knallt

Der Aufbau folgt in vielen Orten einem festen Zeitplan, der sich über wenige Tage zieht. Am Faschingsdienstag wird die Funkentanne geschlagen, am Samstag vor dem Funkensonntag beginnt der Aufbau. Um den Stamm legen die Helfer Reisig, alte Christbäume, Transportgestelle und Restholz, und in manchen Gemeinden kommt ein Gerüst aus Fichtenstämmen hinzu. Die Hexe sitzt zuletzt auf der Spitze, eine lebensgroße Figur aus Stoff, die im Allgäu und in Vorarlberg gern mit Schwarzpulver gefüllt wird. Dass dieser Brauch eine praktische Seite hat, zeigt der Blick in den Hof: Früher wanderte beim Frühjahrsputz von Haus und Wiese alles Brennbare in den Stoß, und was an Weihnachtsgrün übrig blieb, erst recht.

  1. Faschingsdienstag: Die Funkentanne wird geschlagen.
  2. Samstag vor dem Funkensonntag: Der Aufbau des Stoßes beginnt.
  3. Sonntag am Tag: Kinder zünden in manchen Orten einen kleinen Funken an.
  4. Sonntag bei Einbruch der Dunkelheit: Das Hauptfeuer wird entzündet.
  5. Sonntag danach: Fiel der Stoß vorher um, wird die Hexe nachträglich begraben.

Der Knall ist mehr als Effekt. Erreichen die Flammen die Hexe und sie platzt, gilt das als gutes Zeichen für das Jahr. Fällt der Stoß vorher um, deuten ihn die Älteren als schlechtes Vorzeichen, und die Hexe wird am Sonntag darauf nachträglich begraben. Auch der Himmel spielt mit. Ein Sternenhimmel in dieser Nacht verspricht der Bauernregel nach eine gute Kirschenernte, und lange Eiszapfen am Haus kündigen eine lange Flachsernte an. Hintergrund dieser Regeln ist die Beobachtung, dass wolkenloser Himmel im Februar Frost bringt, der Knospen bremst und späte Blüten vor Frühfrösten bewahrt.

Rekorde, Verbote und neue Beliebtheit

Die Geschichte des Brauchs verlief alles andere als geradlinig. Die Aufklärung drängte ihn zurück, und nach dem Ersten Weltkrieg ging er stark zurück, in einigen Jahren war er wegen Holzmangels sogar verboten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte vor allem in Vorarlberg eine Wiederbelebung ein, bei der sich Funkenzünfte gründeten und die Türme immer höher wuchsen. Gaißau erreichte im Jahr 2000 eine Höhe von 41 Metern, und 2019 baute Lustenau einen Funken von 60,64 Metern, der den früheren Rekord von 47 Metern aus dem norwegischen Ålesund übertraf. Seit 2010 steht der Vorarlberger Funken auf der österreichischen Liste des immateriellen Kulturerbes, was dem Brauch dort eine Art amtlichen Rang verleiht. Im Allgäu bleibt er dagegen eine Sache der einzelnen Dörfer, Vereine und Jugendgruppen, und genau das macht ihn so unterschiedlich: Hier brennt ein schlichter Holzhaufen auf der Wiese, dort ein schlanker Turm, dessen Bau Wochen dauert.

Wie viel Holz in solch einem Turm steckt, lässt sich grob überschlagen. Ein Stamm von 30 Metern Länge und 40 Zentimetern mittlerem Durchmesser hat ein Volumen von etwa 3,8 Kubikmetern, denn die Querschnittsfläche beträgt rund 0,126 Quadratmeter und wird mit der Länge multipliziert. Das ergibt bei 500 Kilogramm Trockenmasse je Kubikmeter fast zwei Tonnen allein für den Mittelpfosten. Dazu kommt ein Mehrfaches an Beiwerk, was erklärt, warum Gemeinden Genehmigungen, Brandwachen und Abstände regeln.

Was an der alten Erzählung trotzdem stimmt

Ganz falsch lag die ältere Forschung nicht. Einiges an ihrer Sicht hat sich bestätigt, und manches verdient auch heute Respekt. Der Brauch wurde nur an der falschen Stelle verankert, nämlich in einer erfundenen Urzeit statt im Kirchenjahr und im Dorfleben des Mittelalters. Vier Punkte halten der Prüfung stand:

  • Feuer zum Ende des Winters sind in vielen Kulturen belegt, und der Funken fügt sich in eine breite Gruppe von Frühjahrsbräuchen ein, zu der auch das Scheibenschlagen zählt.
  • Der Zeitpunkt vor Frühlingsbeginn passt zu einer Landwirtschaft, die im Februar Vorräte zählte und Platz für die Aussaat schaffte.
  • Der gemeinschaftliche Aufbau stärkt Dörfer und Vereine, was erklärt, warum der Brauch Kriege, Verbote und Moden überstand.
  • Die Hexenfigur ist jung, der Gedanke an Reinigung und Neubeginn dagegen sehr alt.

Auch die Namen erzählen davon. Funken, Holepfann, Küachli und Alte Fastnacht stammen alle aus der Sprache des bäuerlichen Jahres und nicht aus einer Götterwelt, und in jedem steckt ein Hinweis auf Essen, Feuer oder Kalender. Dass der Brauch heute wieder wächst, liegt weniger an altem Glauben als an der Freude, im Winter etwas gemeinsam zu bauen und anzuzünden. Das Feuer wärmt, der Knall der Hexe ruft Staunen hervor, und beim Heimgehen duftet es nach Rauch und frisch gebackenem Schmalzgebäck.

Am Feuer zeigt sich heute deshalb kein germanischer Kult, sondern ein Stück Fastnachtsgeschichte, das Dörfer über Jahrhunderte immer wieder neu zusammengesetzt haben. Mit dem Wissen um die Herkunft lässt sich auch das Dorfjahr besser einordnen: Der zweite große Termin im Brauchtumskalender ist der Viehscheid, bei dem das Vieh von den Alpen ins Tal zieht.

Bad Hindelang im Oberallgäu und seine lange Geschichte

Zwischen dem Talgrund bei der Ostrach und dem Gipfel des Hochvogel liegen im Gemeindegebiet von Bad Hindelang 1812 Höhenmeter. Der tiefste Punkt befindet sich mit 780 Metern an der Ostrachbrücke bei Reckenberg, der höchste mit 2592 Metern auf dem Grenzgipfel zu Tirol, und der Hauptort selbst liegt auf 825 Metern. Mehr als 80 Prozent der Fläche stehen unter Landschafts oder Naturschutz, was erklärt, warum hier weder Hochhäuser noch Industrie das Bild bestimmen. Als Kurort allein ist der Ort nur unvollständig beschrieben, denn dahinter steckt eine lange Geschichte: Bad Hindelang war Markt an einer Salzstraße, Schmiedeort für Spieße und Piken und Gestütsstandort, bevor im 20. Jahrhundert der Fremdenverkehr das Sagen übernahm. Der Beitrag geht diese Stationen der Reihe nach durch und zeigt, warum das Dorf heute zu den vielseitigsten Orten des Oberallgäus zählt, gleichzeitig aber nichts mit dem Trubel eines Wintersportzentrums gemein hat. Dazu gehören ein Gelände mit Tälern, Passstraße und Bergen, ein Handwerk, das seit dem 16. Jahrhundert überlebt hat, und zwölf Ortsteile, die sich über Höhen zwischen 780 und mehr als 1100 Metern verteilen. Zwischen dem tiefsten Punkt und dem Hochvogel liegt damit ein Höhenunterschied, wie ihn kaum eine andere Gemeinde in Bayern aufweist, und jede Höhenstufe hat ihre eigene Geschichte.

Stelle im GemeindegebietHöhe über dem MeerAbstand zum tiefsten Punkt
Ostrachbrücke bei Reckenberg780 m0 m
Hauptort Bad Hindelang825 m45 m
Oberjoch1136 m356 m
Hochvogel2592 m1812 m

1150 bis 1540 vom Rittersitz zum Markt an der Jochstraße

Die früheste Spur führt ins Jahr 1150, als die Herren von Hundilanc in Urkunden auftauchen, eine Ritterfamilie, die dem Ort den Namen gab. Aus dem Namen wurde später Hindelang, und bis zum Jahr 2002 hieß die Gemeinde schlicht so. Im Spätmittelalter wuchs die Bedeutung des Ostrachtals, weil dort ein Übergang nach Tirol lag. Der Bischof von Augsburg verlieh 1429 das Marktrecht, womit der Ort Märkte abhalten durfte und aus einer bäuerlichen Siedlung zu einem Platz mit Handel und Handwerk wurde. Ein solcher Titel veränderte das Gefüge eines Ortes, weil er Rechte und Pflichten gegenüber dem Landesherrn festlegte.

Wirtschaftlich zählte der Weg über das Joch. Über diese Strecke lief unter anderem der Salzhandel, weshalb sie in der Geschichtsschreibung als Teil der Salzstraße gilt, und wer sie besaß oder ausbaute, verdiente daran. Die Grafen von Montfort bauten deshalb 1540 die Route zur Straße aus, was den Fuhrverkehr erleichterte und dem Ort Einnahmen sicherte. Im Jahr 1529 hatten bereits die Fugger ein Gestüt im Tal eingerichtet, ein Hinweis darauf, dass sich selbst das Augsburger Handelshaus für die Weiden und Almen interessierte. Aus einem Weiler mit Rittersitz war binnen vier Jahrhunderten ein Handelsplatz geworden, den Händler und Fuhrleute gut kannten.

Eisen und Piken im Ostrachtal

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich neben dem Handel ein zweites Standbein. Im oberen Ostrachtal wurde Eisenerz abgebaut, und das Wasser des Baches trieb Hammerwerke an, in denen Schmiede Spieße, Piken und Hellebarden herstellten. Zwischen 1520 und 1524 gingen Lieferungen von nahezu 20000 Landsknechtspießen an die Heere der Zeit. Verteilt auf rund fünf Jahre entspricht das etwa 4000 Stück pro Jahr oder elf Stück an jedem Kalendertag, eine Menge, die ohne wassergetriebene Hämmer kaum zu schaffen war. Wasser, Holzkohle aus den Wäldern und Erz aus dem Berg lagen im Tal dicht beieinander, und genau diese Dreiheit erklärt den Standort. Hinzu kommt das Gefälle, denn nur wo Wasser genug Kraft entwickelt, lässt sich ein schwerer Hammer antreiben.

Drei der alten Hammerschmieden arbeiten bis heute. Statt Waffen entstehen dort heute schmiedeeiserne Pfannen, und das Handwerk ist eine der wenigen Verbindungen, die vom 16. Jahrhundert ungebrochen ins 21. reichen. Die Pfannen sind ein Beispiel dafür, wie ein Gewerbe seine Kundschaft wechseln kann, ohne seine Technik zu verlieren. Die landwirtschaftliche Seite dieser Berglandschaft steht in der in der Beschreibung des Älplerlebens, deren Tagesablauf mit dem Takt der Schmiedehämmer wenig gemeinsam hatte, aber dieselben Wasserläufe und Wälder nutzte.

  1. 1150: Die Herren von Hundilanc werden erstmals erwähnt.
  2. 1429: Der Bischof von Augsburg verleiht das Marktrecht.
  3. 1529: Die Fugger gründen ein Gestüt im Tal.
  4. 1540: Die Grafen von Montfort bauen die Jochroute zur Straße aus.
  5. 1660: Für den Fürstbischof entsteht das Jagdschloss, das heutige Rathaus.
  6. 1803: Die Säkularisation bringt die Gegend unter bayerische Herrschaft.
  7. 1823: Der Salztransport über den Pass endet.
  8. 1895 bis 1898: Die neue Jochstraße wird gebaut.
  9. 1900: Prinzregent Luitpold verleiht Oberdorf den Titel Bad.
  10. 1965: Anerkennung als Luftkurort und Kneippkurort.
  11. 2001 bis 2002: Die Gemeinde heißt fortan Bad Hindelang.

1660 bis 1900 vom Jagdschloss zum Heilbad

Das Jahr 1660 brachte ein Bauwerk, das noch heute das Ortsbild prägt: das Jagdschloss des Fürstbischofs von Augsburg, in dem später das Rathaus untergebracht wurde. Der geistliche Landesherr ließ es als Jagdsitz errichten, und das Gebäude steht für eine Zeit, in der die Berge zwar als Jagdrevier galten, aber noch nicht als Ziel für Erholungsreisende. Mit der Säkularisation 1803 fiel das Hochstift an Bayern, und für Hindelang begann eine Zeit der Neuordnung. Der Salzhandel verlor an Gewicht und endete über den Pass 1823 ganz.

Der Verkehr kehrte auf andere Weise zurück. Zwischen 1895 und 1898 entstand die neue Straße über das Joch, die mit ihren engen Kehren noch heute für ihre Windungen bekannt ist: Für die Passstraße nach Oberjoch, die B 308, werden 107 Kurven angegeben. Oberjoch selbst liegt auf 1136 Metern. Im Jahr 1900 verlieh Prinzregent Luitpold dem Ortsteil Oberdorf den Titel Bad. Damit begann der Weg vom Markt zum Gesundheitsstandort, der 1965 mit dem Kurortstatus seinen Abschluss fand. Beim Straßenbau und bei der Titelverleihung ging es um dieselbe Frage, nämlich wie ein abgelegenes Tal Anschluss an die Welt findet, und in beiden Fällen spielte der Landesherr eine Rolle: Der Prinzregent vergab Titel, ein Jahrhundert zuvor der Bischof das Marktrecht.

Was von der Geschichte heute zu erleben ist

Das 20. Jahrhundert machte aus der Gemeinde einen Kurort. 1965 wurde sie als Luftkurort und Kneippkurort anerkannt, und 2011 erhielt sie ein Gütesiegel für Allergikerfreundlichkeit. Die Einwohnerzahl stieg von 4718 im Jahr 1988 auf 5168 im Jahr 2018, ein Plus von 9,5 Prozent, liegt damit aber noch unter dem Höchststand von 5606 aus dem Jahr 1950, gerechnet auf das Gemeindegebiet von 1987. Die Gemeinde besteht aus zwölf Gemeindeteilen, darunter Hinterstein, Bad Oberdorf, Vorderhindelang, Oberjoch und Unterjoch, und jeder hat sein eigenes Gesicht, vom Hochtal bis zur Passhöhe.

Spuren der Geschichte sind leicht zu finden. Das Heimatmuseum in Bad Oberdorf und das Kutschenmuseum in Hinterstein erzählen von Handwerk und Verkehr, die Hammerschmieden von Eisen, und seit 1999 findet ein historisches Rennen für klassische Fahrzeuge auf der Jochpassstraße statt. Im Vergleich zu Oberstdorf geht es hier ruhiger zu, mit weniger Bahnen und weniger Nachtleben, dafür mit mehr Handwerk und Schutzgebiet. Hindelang gehört wie Oberstdorf zum Landkreis Oberallgäu, liegt aber im Ostrachtal und damit in einem anderen Talsystem. Der Zusatz Bad im Namen ist erst seit 2002 offiziell, hinter ihm steht ein Titel, der auf das Jahr 1900 zurückgeht.

Langlaufen in Oberstdorf und welche Loipe zu wem passt

Sobald in Oberstdorf genug Schnee liegt, werden rund um den Ort die Loipen gespurt, und vor dem ersten Lauf steht für Einsteiger dieselbe Frage: klassisch oder Skating? Die Antwort hängt weniger vom Ehrgeiz ab als von Gelände, Material und Fitness, also von Faktoren, die sich vor dem ersten Schritt einschätzen lassen. Das gesamte Netz umfasst je nach Zählung etwa 70 bis 76 Kilometer, und weil der Ort 1987, 2005 und 2021 Schauplatz der Nordischen Skiweltmeisterschaften war, gehört Langlauf seit Langem zum Selbstverständnis des Ortes, auch wenn die Wettkampfstrecken eine andere Liga sind als die Runden für Freizeitläufer. Ein Teil der Loipen beginnt unweit des Bahnhofs, was das Auto für den ersten Tag überflüssig macht, sofern die Unterkunft im Ort liegt. Für Einsteiger lohnt sich eine einfache Rechnung: Bei klassischem Stil und sechs Kilometern pro Stunde braucht für zehn Kilometer fast 100 Minuten, also gut anderthalb Stunden plus Pausen, und bei den 75 Kilometern des gesamten Netzes wären es über zwölf Stunden reine Laufzeit. Eine solche Zeitplanung schützt vor dem häufigsten Anfängerfehler, nämlich der ersten Runde viel zu lang zu wählen und müde zurückzufahren.

Klassisch oder Skating im Vergleich

Beim klassischen Stil laufen die Ski parallel in einer vorgespurten Rille, und der Abdruck geschieht über die Steigzone unter dem Fuß. Der Ablauf ähnelt einem verlängerten Gehen, bei dem Arm und Gegenbein im Wechsel arbeiten (Diagonalschritt), und ist rasch erlernt, was erklärt, warum Familien und Ältere meist diesen Stil wählen. Beim Skating, auch Freistil genannt, stößt sich der Läufer wie beim Eislaufen seitlich ab und gleitet auf der breiten, glatt gewalzten Bahn neben der Spur. Das ist schneller, verlangt jedoch mehr Balance und Rumpfkraft, und es lässt Anfänger zu Beginn schneller ermüden. Der Doppelstockschub, bei dem beide Stöcke gleichzeitig eingesetzt werden, gehört zu beiden Stilen und trägt auf flachen Abschnitten viel zum Tempo bei.

Ein weiterer Unterschied liegt im Material. Skatingski sind kürzer und steifer, klassische Ski länger und mit Haftzone ausgestattet, entweder mit Steigwachs oder mit einer Schuppenstruktur, die ohne Wachs auskommt. Als Faustregel für die Länge gilt bei klassischen Ski die Körpergröße plus 20 bis 30 Zentimeter, beim Skating plus 10 bis 15 Zentimeter. Die Tabelle oben rechnet beide Fälle für 1,75 Meter Körpergröße durch. Bei Unsicherheit empfiehlt sich der klassische Stil für den Anfang und tastet sich später ans Skating heran.

Merkmal bei 1,75 Meter KörpergrößeKlassischSkating
Skilänge1,95 bis 2,05 m1,85 bis 1,90 m
Stocklängeetwa 1,49 metwa 1,56 m
Einsteigertempo6 km/h8 km/h
Zeit für 10 km100 Minuten75 Minuten

Welche Strecke zum eigenen Können passt

Ein Loipennetz ist ein Baukasten, aus dem sich Runden zusammensetzen lassen. Auf gepflegten Strecken liegt die Skatingbahn neben der klassischen Spur, beide werden mit eigenen Geräten präpariert, und auch die Tageszeit spielt mit: Morgens ist die Spur nach der Nacht fest und schnell, am Nachmittag wird sie in der Sonne weicher. Flache Wiesenabschnitte im Talgrund eignen sich für die ersten Stunden, weil sich dort Gleichgewicht und Abdruck üben lassen, ohne dass Abfahrten Angst machen. Die Oberstdorfer Runde etwa führt über Wiesen und Felder, an den Loretto Kapellen vorbei bis zum Renksteg und gehört damit zu den Strecken, die sich ohne große Steigungen gehen lassen. Anspruchsvoller wird es dort, wo die Loipe in die Seitentäler hineinführt und Gefälle oder Gegenanstiege dazukommen.

Ein sinnvoller Maßstab ist die Höhenlage. Oberstdorf selbst liegt auf etwa 813 Metern, das ist hoch genug für regelmäßigen Schnee, aber niedrig genug, dass Tauwetter die Spur im Ortsbereich weich werden lässt, während höhere Seitentäler länger tragen. Deshalb lohnt der Blick in den Schneebericht, und kurze Runden von drei bis fünf Kilometern sind besser als eine lange Tour, die an einer schlechten Stelle endet. Ob für die Nutzung der Loipen eine Gebühr anfällt, ändert sich von Saison zu Saison und wird am besten vor Ort erfragt.

Ausrüstung und Leihen im Ort

Für den Einstieg ist Leihen sinnvoll, weil sich so beide Stile ausprobieren lassen, noch bevor eine Kaufentscheidung fällt. Ein Satz Ski, Schuhe und Stöcke kostet beim Kauf schnell mehrere hundert Euro, bei Leihgebühren fällt dagegen nur ein Bruchteil davon an. Entscheidend ist, dass Schuh und Bindung zusammenpassen, denn nicht alle Bindungssysteme passen zueinander. Beim Abholen eines Leihsatzes wird daher geprüft, ob die Bindung zum Schuh passt, die Skilänge richtet sich nach Körpergröße und Gewicht, und es muss feststehen, ob die Ski klassisch oder fürs Skating gedacht sind. Auch die Stöcke wollen passen: Als Faustregel gilt Körpergröße mal 0,85 beim klassischen Stil und mal 0,89 beim Skating.

Auch die Kleidung folgt einer einfachen Logik. Langlaufen erzeugt viel Körperwärme, weshalb mehrere dünne Schichten besser funktionieren als eine dicke Jacke. Der erste Kilometer fühlt sich kühl an, und genau das ist richtig: Schwitzen am Start führt zum Frieren nach der ersten Rast, weil Baumwolle nass bleibt und auskühlt, während Funktionswäsche Feuchtigkeit nach außen leitet. Handschuhe ohne dicke Polster, eine dünne Mütze und ein Wechselshirt im Rucksack reichen für Strecken bis etwa zwei Stunden.

Planung und Entscheidungspunkte

Eine gute Tour entsteht aus wenigen Überlegungen, die sich vor der Abfahrt klären lassen. Der Ablauf gelingt, wenn jeder Punkt vor dem Start entschieden ist:

  • Stil: Klassisch für den Einstieg und für ruhige Tage, Skating für Läufer mit Balance und Kondition.
  • Dauer: Für zehn Kilometer klassisch bei sechs Kilometern pro Stunde rund 100 Minuten rechnen, beim Skating mit etwa acht Kilometern pro Stunde gut 75 Minuten.
  • Zeitpunkt: Vormittags ist die Spur meist fest, nachmittags in der Sonne weicher.
  • Schnee: Bei Tauwetter kürzere Runden wählen und höhere Lagen bevorzugen.
  • Rückweg: Die Strecke so legen, dass sich jederzeit abkürzen lässt.

Zusammen ergeben diese Punkte ein Gerüst, das sich auf jede Strecke übertragen lässt, ob im Talgrund bei Oberstdorf oder in einem anderen Tal des Oberallgäus. Dazu kommen ein paar Umgangsformen, die auf jeder Loipe gelten: Fußgänger und Schlittenfahrer haben in der Spur nichts verloren, weil Tritte die Rille zerstören, wer überholt, kündigt es kurz an und weicht nach links aus, und wer stürzt, räumt die Spur, damit niemand darüber fällt. Für den Rückweg bleibt Zeit, wenn die Wende rechtzeitig fällt, und als Regel gilt, nach der Hälfte der geplanten Zeit umzukehren, denn der Rückweg fällt bei müden Beinen langsamer aus als der Hinweg. Auch die Verpflegung gehört zur Planung: Tee in einer Thermosflasche und ein Riegel genügen für zwei Stunden, und Wasser in einer ungeschützten Trinkflasche gefriert bei Minusgraden schnell. Ein Zeitpuffer von dreißig Minuten vor Einbruch der Dämmerung sichert die Heimkehr bei Tageslicht. Zum Vergleich der Winterlandschaft mit der Sommerseite lohnt der Blick auf Wanderungen rund um Oberstdorf.

Die Starzlachklamm bei Sonthofen und wie sie entstand

Auf der Karte sieht die Starzlach unscheinbar aus, ein schmaler blauer Faden am Fuß des Grünten bei Sonthofen. Im Gelände frisst sie sich durch eine Gesteinsfalle aus hartem Kalk, in der Wände eng zusammenrücken und das Wasser über Stufen springt. Der Bach, der oberhalb auf etwa 1070 Metern seinen Anfang nimmt, verliert bis zum Ortsteil Winkel auf 760 Metern rund 310 Höhenmeter und hatte genug Zeit, um sich eine Schlucht zu graben, die bis heute über schmale Stege begehbar ist. Dass dort ein Weg entlangführt, verdankt sich einem Baumeister aus Sonthofen und dem Jahr 1932. Fast ebenso erstaunlich ist, wie viel Erdgeschichte auf diesem kurzen Stück zu lesen ist.

Was die Starzlachklamm von anderen Schluchten im Allgäu unterscheidet, ist weniger die Größe als das Gestein. Hier steht kein reiner Fels aus Hauptdolomit an, sondern ein Kalk, in dem sich Reste von Meerestieren erhalten haben. Aus der Nähe betrachtet zeigen die Wände linsenförmige Einschlüsse, die Fossilien einzelliger Lebewesen sind. Mit etwas Geduld lassen sich auch die feinen Schichtfugen verfolgen, in denen das Gestein einst als Schlamm am Meeresboden lag. Wie so ein Bach in so hartem Material arbeitet, warum gerade hier und was zwischen Eiszeit und heutigem Steg passierte, lässt sich Schritt für Schritt erklären.

Wie ein Bach in den Fels sägt

Wasser allein schneidet keinen Kalk. Es arbeitet mit Material, das es selbst mitbringt: Sand, Kies und Gerölle. Wird ein Bach schneller, transportiert er größere Steine, und diese schleifen am Untergrund wie Schmirgelpapier. Die Starzlach hat dafür beste Voraussetzungen, denn das Gefälle ist steil, und in der letzten Eiszeit lieferte Schmelzwasser enorme Mengen, die das Tal schnell vertieften. Das Ergebnis ist ein enger Einschnitt, bei dem die Breite im Vergleich zur Tiefe klein bleibt, was als Klamm gilt und sich von einem breiteren Tobel unterscheidet.

Hinzu kommt eine Vorgabe aus dem Untergrund. Die Klamm folgt einer alten Schwächezone im Kern der Starzlach Mulde, einer Falte, die bei der Bildung der Alpen durch seitlichen Druck entstand. Entlang solcher Zonen sind Gesteinsschichten zerrüttet und lassen sich leichter ausräumen als geschlossener Fels. Dazu kommen die Strudelkolke: Gerölle geraten in einer Vertiefung in kreisende Bewegung und bohren sich wie Fräsen in den Boden. In der Klamm sind mehrere solcher glatt geschliffenen Töpfe zu finden, von der Größe einer Schüssel bis zu mannstiefen Becken. Wo das Wasser über eine Stufe stürzt, höhlt es zudem die Wand unter dem Wasserfall aus, bis der Überhang abbricht und die Stufe flussaufwärts wandert.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Zahlen helfen, Größenordnungen zu greifen, ohne dass Messgeräte nötig wären, und in einer Klamm stammen sie aus Höhenlinien, aus Gesteinsschichten und aus der Baugeschichte. Die folgende Übersicht stellt zusammen, was sich über die Klamm gesichert sagen lässt, und ordnet jeden Wert ein.

AngabeWertBedeutung
Quelle der Starzlachetwa 1070 MeterUrsprung zwischen Grünten und Wertacher Hörnle
Oberer Zugang Auf dem Ried985 MeterEinstieg von der Alpe Topfen her
Unterer Zugang Winkel760 Meterüblicher Ausgangspunkt bei Sonthofen
Wasserfall in der Klammüber 12 MeterStufe, über die das Wasser in die Tiefe stürzt
Erzkalkbis etwa 50 Meter dickGesteinspaket, das an der Wand zutage tritt
Erschließung1932Bau des Steigs durch Baumeister F. X. Ammann

Aus den Höhenangaben ergibt sich eine einfache Rechnung. Von 985 Metern oben bis 760 Metern unten liegen 225 Höhenmeter zwischen den beiden Zugängen. Das entspricht rund 73 Prozent des gesamten Gefälles von 310 Metern zwischen Quelle und Winkel, die restlichen 85 Meter liegen im Gelände oberhalb des oberen Zugangs. Ein Gang von Winkel bis zum oberen Ende überwindet also höchstens diese 225 Meter, mehr als ein Ausflug auf einen Aussichtsturm, aber weit weniger als eine Bergtour. Auch die anderen Zahlen lassen sich bildhaft übersetzen. Ein Wasserfall von mehr als zwölf Metern entspricht der Höhe eines vierstöckigen Hauses, und der Erzkalk von bis zu 50 Metern Dicke hat die Länge einer Schwimmbahn im olympischen Becken. Gesteinspakete dieser Mächtigkeit brauchen Millionen Jahre, um sich am Meeresboden aufzubauen, während die Starzlach den Einschnitt in vergleichsweise kurzer Zeit schuf, nämlich seit dem Abschmelzen der Gletscher, also in einigen Jahrtausenden.

Muscheln, Krabben und Meeresboden

Das Gestein der Klamm gehört zur Helvetischen Zone, einem Streifen aus Kalken und Mergeln, der in der Kreidezeit und im Paläogen am Rand eines Meeres abgelagert wurde. Das Paläogen reicht von etwa 66 bis 23 Millionen Jahre vor heute. In diesem Zeitraum lebten im warmen Flachwasser Foraminiferen, einzellige Tiere mit Kalkgehäuse. Eine Gruppe davon, die Nummuliten, wuchs zu linsenförmigen Schalen heran, deren Form an Münzen erinnert und die dem Nummulitenkalk den Namen gaben. Rund fünfzehn Arten wurden an der Klamm gefunden, und jede unterscheidet sich in Größe und Windungsform der Schale. Weil die Tiere nach dem Tod in großer Zahl absanken, bauten ihre Gehäuse ganze Gesteinsbänke auf.

Berühmter als diese Schalen ist ein Krebs. Die Krabbe Xanthopsis sonthofenensis ist nach der Stadt benannt, weil Sonthofen als Fundort der Art gilt, und Fachleute sprechen deshalb von einer Typlokalität. Als später die Alpen entstanden und sich die afrikanische gegen die europäische Platte schob, wurde der ehemalige Meeresboden über mehrere Millionen Jahre angehoben und verfaltet, bis er sich als Bergkette über dem Alpenvorland erhob. Der Weg durch die Klamm führt demnach durch einen Querschnitt durch Meeresgeschichte, den die Starzlach freigelegt hat.

Vom Wasserlauf zum Wanderziel

Dass die Klamm besucht werden kann, ist jung. Der Sonthofer Baumeister F. X. Ammann erschloss sie 1932 als Wanderziel mit Stegen und Treppen, und nach Kriegsschäden wurde sie 1949 wieder geöffnet. 1972 erhielt das Gebiet den Status eines Landschaftsschutzgebiets, was bedeutet, dass Eingriffe in die Landschaft genehmigt werden müssen, ohne dass der Zutritt verboten wäre, 1983 folgten eine Sanierung und der Neubau der Klammhütte. Nach Sturmschäden wurden im Jahr 2020 Geländer erneuert. Der Betrieb liegt in der Hand eines gemeinnützigen Tourismusvereins, und die Eintrittsgelder fließen in den Unterhalt der Wege, weshalb Öffnungszeiten und Preise je nach Jahr schwanken. Vor einem Besuch lohnt der Blick auf die aktuellen Angaben der Stadt Sonthofen.

Die Klamm ist kein Ort, an dem die Zeit stillsteht, und was heute als fester Steig erscheint, ist ein Bauwerk im ständigen Wettlauf mit dem Wasser. Hochwasser nach der Schneeschmelze, Frost und Sturmholz verändern den Verlauf der Stege laufend, weshalb Geländer, Stege und Bodenbleche regelmäßig erneuert werden müssen. Wie sich das bei der berühmteren Schwester verhält, steht im Beitrag über die Breitachklamm bei Oberstdorf, deren Schlucht deutlich tiefer ist.

  • Die Starzlach fällt von der Quelle bis Winkel um rund 310 Meter.
  • Der Einschnitt folgt einer tektonischen Schwächezone und wurde im Schmelzwasser der Eiszeit vertieft.
  • Strudelkolke entstehen, wenn Gerölle in Vertiefungen kreisen.
  • Der Nummulitenkalk enthält Fossilien aus dem Paläogen, darunter rund fünfzehn Arten.
  • Als Weg besteht die Klamm seit 1932, nach Kriegsschäden wieder seit 1949.

Allgäuer Krautkrapfen selbst gemacht Schritt für Schritt

Gerollt wie ein Strudel, in Scheiben geschnitten und dicht an dicht in einer Pfanne gegart: Krautkrapfen sind gefüllte Nudelteigschnecken, die im Allgäu mit Sauerkraut und Speck zu den bodenständigsten Gerichten gehören. Der Name führt in die Irre, denn mit Krapfen im Sinne von Schmalzgebäck haben sie wenig gemein. Gemeint sind Scheiben aus dünn ausgerolltem Teig, die erst angebraten und dann in Brühe gegart werden, bis die Unterseite knusprig und die Oberseite weich ist. Das Rezept ist in Kempten ebenso bekannt wie im übrigen Schwaben, und doch unterscheiden sich die Varianten in Teigmenge, Scheibenbreite und Garzeit. Die Fassung aus Kempten kommt mit 300 Gramm Mehl aus, die schwäbische Variante braucht 500 Gramm und schneidet breitere Scheiben. Hier steht die Kemptener Grundform, ergänzt um die Handgriffe, an denen das Gericht gelingt oder misslingt. Die Zubereitung lässt sich an einem Nachmittag vorbereiten und am Abend fertigstellen, weil der Teig ruhen und die Füllung auskühlen muss. Der Aufwand verteilt sich also auf mehrere Etappen, von denen keine schwierig ist, die aber in der richtigen Reihenfolge ablaufen müssen. Ein Rezept für Kässpatzen steht bereits im Beitrag über die Allgäuer Kässpatzen.

Zutaten für vier Portionen

Die Mengen reichen für etwa 12 Scheiben, das sind drei pro Portion bei vier Personen. Die Füllung braucht rohes Sauerkraut, kein vorgegartes aus dem Beutel, weil das Kraut im Topf Brühe aufnimmt und dabei weich wird. Der Speck sollte durchwachsen sein, damit er Fett in die Füllung abgibt, ohne zu trocknen.

  • Teig: 300 g Mehl, 2 Eier, 3 EL Wasser, 1 Prise Salz
  • Füllung: 500 g rohes Sauerkraut, 250 g Brühe, 1 Lorbeerblatt, 100 g Speck, 1 Zwiebel, Salz
  • Zum Garen: 50 g Butter, Brühe zum Aufgießen, Öl zum Anbraten
  • Zum Servieren: Zwiebeln in Butter geschmolzen, Schnittlauch

Eine Pfanne mit hohem Rand oder ein flacher Topf mit Deckel ist nötig, dazu ein sauberes Küchentuch zum Aufrollen und ein Nudelholz. Das Tuch ersetzt Backpapier, weil der dünne Teig daran nicht klebt und sich mitsamt der Füllung sauber einrollen lässt. Ein Nudelholz mit glatter Oberfläche reicht aus. Wegen der Größe des Rechtecks empfiehlt sich eine freie Arbeitsfläche von mindestens 60 mal 60 Zentimetern, denn der Teig lässt sich nicht in Teilen ausrollen und später zusammenfügen, ohne dass Nähte aufplatzen. Die Zwiebel für die Füllung gehört fein gewürfelt in die Füllung, die geschmolzenen Zwiebeln zum Servieren dagegen in Ringen, damit sie als Beilage erkennbar bleiben. Dass Butter und nicht Öl im Topf steht, verleiht den Krapfen die goldene Kruste, weil die Milchbestandteile der Butter beim Anbraten bräunen und dem Gericht seinen nussigen Geschmack geben.

Der Ablauf Schritt für Schritt

Die Reihenfolge entscheidet über das Gelingen, weil Füllung und Teig unterschiedlich lange brauchen. Zuerst entsteht die Füllung, denn sie muss abkühlen, während der Teig ruht. Erst wenn beide Teile bereitliegen, beginnt das Formen. Beim Aufrollen hilft das Tuch: Es wird an einer Kante angehoben und zieht den Teig gleichmäßig nach, sodass keine Luftblasen eingeschlossen werden. Die Rolle sollte fest, aber nicht gequetscht sein, damit die Scheiben ihre Form behalten und die Füllung nicht seitlich austritt. Geschnitten wird mit einem scharfen, dünnen Messer, das nicht drückt, sondern sägt. Wird die Rolle vorher zehn Minuten kühl gestellt, lässt sie sich noch sauberer teilen, weil Teig und Füllung dann fester aneinanderhaften. Die Endstücke der Rolle sind meist schmaler und ohne Füllung an der Kante; sie werden ebenfalls mitgegart und dienen als Kostprobe für den Koch. Beim Setzen in die Pfanne zeigt die Schnittfläche nach oben, damit die Füllung nicht herausfällt und die Spiralen erkennbar bleiben. Mit einem Pfannenwender lassen sich die Scheiben einzeln aufnehmen, ohne dass die Spirale auseinandergezogen wird. Am Rand der Pfanne bräunen sie schneller als in der Mitte, weshalb ein Platztausch nach der Hälfte der Bratzeit für gleichmäßige Farbe sorgt.

  1. Zwiebel und Speck würfeln und in etwas Öl andünsten, bis der Speck Fett abgibt.
  2. Sauerkraut zugeben, mit 250 g Brühe aufgießen, das Lorbeerblatt einlegen und 45 Minuten köcheln lassen. Danach abkühlen lassen, bis die Füllung kalt ist.
  3. Mehl, Eier, Wasser und Salz zu einem festen Teig kneten, mit Öl bestreichen und eine Stunde zugedeckt ruhen lassen.
  4. Den Teig auf bemehltem Tuch zu einem Rechteck von etwa 40 mal 50 Zentimetern ausrollen, rund 2 Millimeter dick.
  5. Die kalte Füllung gleichmäßig verteilen, mithilfe des Tuchs von der langen Seite her aufrollen und in 4 Zentimeter breite Streifen schneiden.
  6. Butter in der Pfanne erhitzen, die Krapfen aufrecht und dicht nebeneinander anbraten, mit Brühe angießen, zudecken und etwa 30 Minuten garen.
  7. Mit geschmolzenen Zwiebeln und Schnittlauch servieren.

Zeiten und Maße im Überblick

Der Zeitplan ergibt sich aus zwei Abläufen, die gleichzeitig laufen und sich nur an einer Stelle berühren, nämlich beim Formen. Teig und Füllung entstehen parallel, erst zum Formen kommen beide zusammen. Wird um 14 Uhr mit Füllung und Teig begonnen, sind beide gegen 15 Uhr 30 bereit, geformt sind die Krapfen eine Viertelstunde später, und gegen 16 Uhr 30 stehen sie gegart auf dem Tisch. Die Rechnung zur Scheibenzahl geht so: Ein Rechteck von 40 mal 50 Zentimetern, von der 50 Zentimeter langen Seite her aufgerollt, ergibt eine Rolle von 50 Zentimetern Länge. Geteilt durch 4 Zentimeter Scheibenbreite entstehen 12 Scheiben mit einem Rest von 2 Zentimetern.

ArbeitsschrittDauerMerkmal
Füllung köcheln45 MinutenKraut weich, Brühe fast eingekocht
Füllung auskühlen30 bis 45 MinutenFüllung kalt, sonst weicht der Teig auf
Teig ruhen60 MinutenTeig elastisch, lässt sich dünn ausrollen
Ausrollen und Formen15 Minutenetwa 2 Millimeter dick, 12 Scheiben
Anbraten8 bis 10 MinutenUnterseite goldbraun
Garen mit Deckel30 MinutenBrühe etwa 2 Zentimeter hoch

Zusammengerechnet vergehen rund 140 Minuten, wenn Füllung und Teig parallel entstehen, und rund 200 Minuten, wenn beides nacheinander gemacht wird. Der Unterschied von einer Stunde entsteht allein durch das Ruhen des Teigs, das sich mit dem Auskühlen der Füllung überlappen lässt. Eine am Vortag gekochte Füllung spart die gesamte Anlaufzeit, denn kaltes Kraut aus dem Kühlschrank kann sofort auf den Teig. Außerdem zieht das Aroma von Speck und Lorbeer über Nacht durch und macht die Füllung runder im Geschmack.

Fehlerquellen und Abweichungen von Ort zu Ort

Der häufigste Fehler betrifft die Temperatur der Füllung. Warmes Kraut gibt Dampf ab und weicht den dünnen Teig an der Innenseite auf, sodass die Scheiben beim Schneiden zerfallen. Die Füllung muss kalt sein, bevor sie auf den Teig kommt. Ein zweiter Fehler liegt in der Teigdicke: Wird der Teig dicker als 3 Millimeter ausgerollt, bleibt er im Kern fest, weil die Brühe nicht durchdringt. Auch die Pfanne spielt eine Rolle. Sind die Scheiben zu locker gesetzt, kippen sie beim Angießen um, und die Schnecken öffnen sich.

Die schwäbische Fassung zeigt, wie stark ein Rezept von Ort zu Ort abweicht. Diese Fassung arbeitet mit 500 Gramm Mehl und 125 Milliliter Wasser, würzt das Kraut mit Nelke, Wacholderbeere und Kümmel, köchelt die Füllung nur 20 Minuten und schneidet 5 bis 6 Zentimeter breite Scheiben. Beim Garen steht die Brühe dort etwa 3 Zentimeter hoch. Die Kemptener Grundform lässt sich darin wiedererkennen, nämlich als dasselbe Gericht in einer kräftigeren, würzigeren Auslegung. Beide Wege führen zu Krapfen, die außen Biss und innen Saft haben, und beide schmecken mit einem grünen Salat am besten, der die Säure des Krauts ausgleicht.