Der Freibergsee südlich von Oberstdorf hat keinen oberirdischen Abfluss, und die Herkunft seines Wassers gilt als nicht ganz geklärt. Er liegt auf rund 930 Metern Höhe, ist bis zu 25 Meter tief und erwärmt sich im Sommer auf bis zu 25 Grad. Zwei Angaben zur Fläche stehen nebeneinander, 18 und 27 Hektar, beide aus gedruckten und online verbreiteten Beschreibungen. Der See ist damit ein Ziel, das auf den ersten Blick einfach wirkt und bei näherem Hinsehen Fragen aufwirft, die sich nicht in einem Satz beantworten lassen. Dieser Text sortiert, was belegt ist, was sich widerspricht und was für einen Besuch wichtig ist.
Die Lage macht den See reizvoll. Er sitzt in einer Mulde am Fuß des Freibergs, im Süden ragt die Heini Klopfer Skiflugschanze über die Bäume, und dahinter beginnt das Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Die Anreise führt nicht mit dem Auto bis ans Ufer, sondern auf Schusters Rappen, per Fahrrad oder mit dem Ortsbus. Das verändert den Charakter des Ausflugs, denn zwischen Parkplatz und Wasser liegen etwa eine halbe Stunde Weg und rund 160 Höhenmeter. Der See gehört dem Oberallgäu, genauer dem Gebiet südlich des Ortskerns von Oberstdorf, und ist damit ein Ziel im Stillachtal.

Wie der See entstand und wohin das Wasser fließt
Das Seebecken geht auf die Eiszeit zurück. Der Stillachgletscher hat vor mehr als 10.000 Jahren eine Mulde aus dem Gestein am Freiberg geschürft, nach seinem Rückzug füllte Schmelzwasser die Senke. Ein Bergsturz oder eine Endmoräne als Sperre wird in den gängigen Beschreibungen nicht genannt, die Entstehung folgt also dem Muster eines Gletscherbeckens, das nach dem Abschmelzen Wasser hält. Gletscher hobeln beim Vorrücken Vertiefungen in den Untergrund, wo das Gestein weicher oder stärker zerklüftet ist. Nach dem Eisrückzug bleibt dann eine Wanne zurück. Für den Freibergsee heißt das: Die Form des Beckens, mit bis zu 25 Metern Tiefe auf wenigen Hundert Metern Länge, ist ein Abdruck des Eises, nicht des Wassers. Das Eis ist längst verschwunden, die Mulde blieb.
Ungewöhnlich ist die Wasserbilanz. Der See hat keinen oberirdischen Abfluss. Das Wasser versickert vermutlich durch Spalten im Untergrund, die Zufuhr kommt aus kleinen oberirdischen Rinnsalen und vermutlich aus Quellen am Seegrund. Dass die Herkunft nicht vollständig geklärt ist, steht in den Beschreibungen ausdrücklich. Ein See ohne Abfluss wäre ohne Nachschub binnen kurzer Zeit leer oder würde überlaufen, also muss ein Gleichgewicht herrschen, auch wenn der genaue Weg unbekannt ist. Ähnliche Fragen nach unterirdischem Wasser stellen sich auf dem Gottesackerplateau, wo Regen im Kalk verschwindet.
Zwischen 18 und 27 Hektar
Die beiden Größenangaben im Vergleich zeigen das Dilemma. 18 Hektar entsprechen etwa 25 Fußballfeldern, 27 Hektar rund 38. Die Differenz von 9 Hektar ist groß, bei einem Seeumfang von mehreren Kilometern entspricht sie einem Streifen von mehreren Dutzend Metern Breite rund um das Ufer. Für die Abweichung gibt es plausible Erklärungen: Eine Zahl kann nur den Wasserspiegel meinen, die andere die Fläche samt Uferzone, vielleicht auch Flachwasser und Wiese. Welche Angabe stimmt, lässt sich aus den veröffentlichten Beschreibungen nicht ableiten, deshalb bleibt es bei der Spanne. Ein Vergleich hilft bei der Einschätzung: Der nahe Große Alpsee bei Immenstadt ist mit rund 2,4 Quadratkilometern deutlich größer, der Freibergsee zählt also zu den kleineren Seen des Allgäus, trotz der beiden Angaben. Die Tiefe von 25 Metern ist dagegen nur einmal genannt. Bei 18 Hektar Fläche ergibt eine angenommene mittlere Tiefe von 10 Metern ein Volumen von etwa 1,8 Millionen Kubikmetern, genug für gut 700 olympische Schwimmbecken zu je 2.500 Kubikmetern. Das ist eine Überschlagsrechnung, kein gemessener Wert, sie zeigt aber, wie viel Wasser im Becken steht und warum eine Erwärmung auf 25 Grad im Sommer bemerkenswert ist. Das Wasser braucht dafür viele sonnige Tage, denn die Masse speichert Wärme träge.
Baden, Boot und Naturschutz am Ufer
Am Freibergsee ist ein Naturbad eingerichtet, mit Liegewiese, Kinderbecken, Spielplatz, einem Sprungturm von drei Metern und einem Floß. Es gibt ein Restaurant, ein Strandcafé und einen Bootsverleih für Ruder und Tretboote. Das Wasser ist damit der Teil, der durch Schutzvorgaben begrenzt wird: Außerhalb der Badeanlage darf nicht gebadet werden, Stand Up Paddling ist aus Naturschutzgründen nicht gestattet, und Hunde sind im Naturbad nicht zugelassen. Der See liegt im Landschaftsschutzgebiet Freibergsee, die Wasserqualität wird regelmäßig geprüft. Der See dient außerdem Fischarten, Wasservögeln und Amphibien als Lebensraum, einzelne Arten werden in den Beschreibungen nicht aufgeführt. Daher gilt die Beschränkung auf das Naturbad: Ruhige Uferzonen sind für Vögel und Amphibien wichtig, und ein Ufer ohne Badebetrieb bleibt für sie nutzbar.
Über den Titel wird häufig gesprochen. Der See wird als höchstgelegener Badesee Deutschlands bezeichnet, anderswo als größter und höchstgelegener Badesee im Allgäu. Beide Aussagen lassen sich nicht ohne Weiteres prüfen, denn es gibt in den bayerischen und österreichischen Bergen etliche höher gelegene Seen, in denen sich baden lässt. Für belastbare Zahlen bleibt es bei der Höhe von rund 930 Metern. Das liegt gut 100 Meter über dem Ortskern von Oberstdorf, der bei etwa 800 Metern liegt.
Wege zum See und ihre Zeiten
Die kürzeste Verbindung beginnt am Parkplatz Renksteg. Von dort sind es etwa 30 Minuten und 160 Höhenmeter. Ab der Ziegelbachbrücke dauert der Weg rund 45 Minuten, von Kornau über das Naturfreundehaus und den Edmund Probst Weg etwa 1 Stunde 20. Von der Bergstation der Söllereckbahn führt ein Abstieg über die Hochleite in ungefähr 35 Minuten zum Wasser. Mit dem Mountainbike dauert die Fahrt ab Oberstdorf über Schwand ungefähr eine Stunde. Die Zufahrt über Schwand ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt, mit dem Rad ist sie erlaubt. Eine Rundtour wird mit knapp drei Stunden, rund 9,6 Kilometern und 190 Höhenmetern angegeben und gilt als leicht. Aus der Ortsmitte ist der See in etwa einer Stunde zu erreichen, vom Haltepunkt des Ortsbusses sind es nur gut zehn Minuten zu Fuß. Das Verhältnis zeigt, dass die Höhenmeter wenig ins Gewicht fallen, wohl aber die Länge. Im Sommer fährt ein Lift zur Aussichtsplattform der Skiflugschanze, von dort führt eine Sesselbahn in rund 30 Minuten zum See. Mehr über die Schanze steht im Beitrag zur Heini Klopfer Skiflugschanze, die laut Beschreibung aktuell die viertgrößte der Welt ist.
Entscheidungshilfe für den Ausflug
Ob der Freibergsee ein Ziel für einen halben oder einen ganzen Tag ist, hängt vom Wetter, von der Jahreszeit und vom Vorhaben ab. Als Badeziel funktioniert er im Hochsommer, als Spaziergang eher im ganzen Sommerhalbjahr. Die Wassertemperatur von bis zu 25 Grad wird nur an warmen Tagen erreicht, im Frühsommer liegt sie darunter, und ein Bergsee auf 930 Metern kühlt nach Regentagen rasch aus. Öffnungszeiten und Preise von Naturbad und Gastronomie ändern sich und werden deshalb hier nicht genannt, sie stehen vor Ort und bei der Tourist Information. Die folgenden Punkte fassen die belegten Rahmenbedingungen zusammen. Für Ausflüge mit Kindern passt der kurze Weg ab Renksteg, für Bewegungsfreudige die Runde um den See oder der Zugang über die Söllereckbahn und die Hochleite. Wichtig ist, genug Zeit für den Rückweg einzuplanen, denn am Ufer vergeht sie schneller als gedacht.
- Anfahrt: Ortsbus oder Parkplatz Renksteg, anschließend per pedes oder mit dem Rad
- Zeit: 30 Minuten ab Renksteg, etwa eine Stunde aus dem Ortskern
- Baden: nur im eingerichteten Naturbad, nicht am übrigen Ufer
- Hunde: im Naturbad nicht erlaubt
- Paddeln: aus Naturschutzgründen nicht gestattet
- Kombination: Rundweg um den See oder Weg zur Skiflugschanze
Zahlenfreunde können bei einem Besuch prüfen, was in diesem Text widersprüchlich blieb. Ein Gang um den Uferweg mit Schrittzähler liefert zumindest einen Anhaltspunkt für den Umfang und damit für die Größe des Sees, und der Blick auf das Wasser zeigt, wie sich Spiegel und Uferlinie je nach Jahreszeit verschieben.