Oberstdorf als südlichstes Reiseziel Deutschlands

Oberstdorf liegt als südlichste Gemeinde Deutschlands auf 815 Metern Höhe im Oberallgäu und hat etwas mehr als 9.000 Einwohner, bringt aber eine Fläche von fast 230 Quadratkilometern mit. Auf jeden Einwohner kommen damit rechnerisch rund zweieinhalb Hektar, und der größte Teil davon besteht aus Bergwald, Almen und Gipfeln. Es leben also nur etwa 40 Menschen auf einem Quadratkilometer, und die Dichte liegt weit unter der eines Stadtgebiets. Der Ort ist von sieben Tälern umgeben, darunter Trettachtal, Stillachtal und Oytal, und hat sich aus einem Bauerndorf zu einem Urlaubsziel mit Bahnen, Sprungschanzen und Kuranlagen entwickelt.

Ob Oberstdorf das richtige Reiseziel ist, hängt weniger von Prospekten als von drei Fragen ab: Wie viel Höhe soll es sein, welche Jahreszeit steht an und wie viel Betrieb darf der Ort haben. Die Größe der Gemeinde sorgt dafür, dass sich Gäste verteilen, denn zwischen dem Ortskern und den Gipfeln liegen Wälder, Täler und Almen, in denen sich der Betrieb deutlich beruhigt. Die Zahlen zu Lage, Bergen, Klima und Geschichte, die auf den folgenden Zeilen stehen, helfen dabei, die Reise nach den eigenen Vorlieben zu planen und Erwartungen an Wetter, Strecken und Höhenmeter zu prüfen.

Lage, Größe und Geschichte des Ortes

Der Ort wurde im Jahr 1141 erstmals erwähnt, 1495 erhielt er von König Maximilian das Marktrecht. Schon 1518 wurde in Tiefenbach eine Schwefelquelle als Bad genutzt, ein früher Vorläufer des heutigen Kurbetriebs. Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort die Ortsteile Kornau, Reichenbach, Rubi, Schöllang und Tiefenbach, die ihren dörflichen Charakter zwischen Wiesen und Wald bewahrt haben, und jeder von ihnen hat eigene Wege, Wiesen und Hofstellen. Aus fast 900 Jahren Ortsgeschichte ist ein Gemeinwesen entstanden, das Landwirtschaft, Kur und Wintersport miteinander verbindet.

Zum Aufenthalt vor Ort passt, dass das Zentrum weitgehend autofrei ist und sich zu Fuß erkunden lässt. Von München sind es rund 169 Kilometer, die Anreise führt größtenteils über die Autobahn. Der südlichste Punkt des deutschen Staatsgebiets liegt in der Nähe, rund 17 Kilometer südwestlich am Haldenwanger Eck. Für Gäste ohne eigenes Auto bleibt vieles in Reichweite, weil die Bahnen und Talwanderwege im Ort selbst beginnen und weitere Ziele mit Bussen erreichbar sind. Das erleichtert vor allem Familien und Gruppen die Planung, denn Parkplatzsuche und Fahrten entfallen weitgehend. Auch die Entfernung zu den Ortsteilen ist gering, sodass sich ein Tag ohne Auto gut gestalten lässt. Zurück im Ortskern, finden Gäste dort Cafés, Geschäfte und Wirtshäuser mit regionaler Küche, die den Tag abrunden.

Berge und Bahnen als Maßstab für die Höhe

Drei Bahnen bringen Gäste in die Höhe: die Nebelhornbahn, die Fellhornbahn und die Söllereckbahn. Die Nebelhornbahn führt zum Gipfel auf 2.224 Metern, die Fellhornbahn erreicht mit dem Fellhorn 2.038 Meter. Die Gipfel der Umgebung zeigen, wie stark das Gelände ansteigt. Gemessen an der Höhe des Ortes von 815 Metern ergeben sich folgende Unterschiede. Die Rechnung ist einfach, denn von der Gipfelhöhe wird die Ortshöhe abgezogen, und sie zeigt, wie viel Höhe zwischen Ortskern und Gipfelkreuz liegt. Beim Wandern entsprechen tausend Höhenmeter einem mehrstündigen Aufstieg, und die Bahnen ersparen den größten Teil davon, ohne dass die Aussicht darunter leidet.

GipfelHöheUnterschied zum Ort
Fellhorn2.038 m1.223 m
Nebelhorn2.224 m1.409 m
Höfats2.259 m1.444 m
Trettachspitze2.595 m1.780 m
Mädelegabel2.645 m1.830 m
Großer Krottenkopf2.656 m1.841 m

Der Große Krottenkopf ist der höchste Berg der Allgäuer Alpen, doch auch das Nebelhorn und das Fellhorn überragen den Ort um mehr als tausend Meter. Für die Reiseplanung folgt daraus eine einfache Faustregel: Gäste, die Höhenmeter scheuen, nutzen eine Bahn und starten dort oben, Bewegungsfreudige gehen von Oberstdorf aus talaufwärts. Das Wegenetz von mehr als 200 Kilometern reicht vom Talboden bis in die Gipfelregion. Beide Bahnen fahren je nach Saison nur zu bestimmten Zeiten, weshalb ein Blick auf den Fahrplan vor dem Ausflug zur Planung gehört.

Winter, Eis und Skisprung

Im Winter zeigt der Ort seine sportliche Seite. Auf der Schattenbergschanze findet der Auftakt der Vierschanzentournee statt, und die Heini-Klopfer-Skiflugschanze, rund sieben Kilometer südlich gelegen, zählt zu den größten Skiflugschanzen der Welt. Oberstdorf war Schauplatz der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 1987, 2005 und 2021. Auch die Nebelhorn Trophy, ein internationaler Eiskunstlauf-Wettbewerb, trägt den Namen des Hausbergs.

Die Schanzen prägen das Ortsbild und den Veranstaltungskalender. Zum Jahreswechsel richtet sich der Blick von Skisprungfans auf den Auftakt der Vierschanzentournee, die ihren Namen den vier Austragungsorten verdankt, und die Weltmeisterschaften brachten Wettkämpfe in Langlauf, Skispringen und Nordischer Kombination in den Ort. Für Urlauber ohne Wettkampfambitionen bleiben die Skigebiete an den Bergen rund um den Ort, dazu Winterwanderwege und Loipen. Das Klima trägt dazu bei: Etwa 113 Tage im Jahr liegt Schnee, das entspricht knapp einem Drittel des Jahres, denn 113 geteilt durch 365 ergibt gut 31 Prozent. Für Schneesicherheit passt der Zeitraum zwischen Dezember und Februar, und eine frühe Buchung lohnt sich, weil die Wettkämpfe am Jahresende und die Ferientermine viele Gäste in den Ort bringen. Die Schanzenanlagen sind auch außerhalb der Wettkämpfe ein Ausflugsziel, denn von den Zuschauerrängen aus lässt sich nachvollziehen, welche Weiten die Springer erreichen.

Jahreszeit und Klima als Entscheidungshilfe

Das Klima macht Oberstdorf zu einem niederschlagsreichen Ort. Am Stationswert in 806 Metern Höhe fallen im Jahresschnitt rund 1.669 Millimeter Niederschlag, und die Jahresmitteltemperatur liegt bei 7,0 Grad. Die Alpen stauen die feuchten Luftmassen aus Nordwest, deshalb regnet und schneit es am Alpenrand deutlich mehr als im Flachland, und der Wasserreichtum zeigt sich an Bächen, Wasserfällen und der Breitach. Für den Urlaub heißt das, ein Ausweichprogramm einzuplanen: Die Breitachklamm wirkt bei viel Wasser eindrucksvoller, und Talwanderungen bleiben auch bei bedecktem Himmel reizvoll.

  • Sommer: Wandern in drei Höhenlagen, kühle Schluchten wie die Breitachklamm
  • Herbst: Viehscheid in Schöllang, weite Fernsicht, ruhigere Wege
  • Winter: Skifahren, Langlauf, Winterwandern, Skisprungwettbewerbe
  • Frühling: Schneeschmelze, höhere Lagen noch lange schneebedeckt
  • Ohne Auto: Zentrum und Talwanderwege lassen sich zu Fuß und mit dem Bus nutzen

Die Reisezeit entscheidet über das Programm. Der Sommer eignet sich für Gipfeltouren und lange Talwanderungen, der Herbst bringt Almabtriebe und stabile Sichtverhältnisse, der Winter Schnee und Sport. Mit 7,0 Grad Jahresmittel liegt der Ort deutlich kühler als das Tiefland, und die Schneefallgrenze reicht im Winter regelmäßig bis in den Talboden. Im Frühjahr liegt in den Höhenlagen noch Schnee, während im Talboden schon Wanderwege freiwerden. Bei freier Wahl empfiehlt sich für die Hauptsaison eine frühe Planung, für ruhigere Tage der Wechsel auf den Herbst oder das späte Frühjahr. Auf diese Weise bleibt der südlichste Ort Deutschlands ein Ziel, das sich in jeder Jahreszeit anders zeigt.