Beim Wandern rund um Oberstdorf stehen zwei Arten von Touren zur Auswahl: flache Talwanderungen, die sich in einem Tag ohne große Anstrengung gehen lassen, und Touren mit deutlichem Aufstieg, bei denen die Höhenmeter über die Dauer entscheiden. Über 200 Kilometer Wander und Radwege verteilen sich auf drei Höhenlagen, vom Talboden bis zu den Graten. Dieser Vergleich stellt fünf Touren gegenüber, die sich anhand von Zahlen einordnen lassen, und zeigt, welche Strecke zu welchem Tag passt.
Der Unterschied liegt häufig nicht in der Länge, sondern im Tempo, das die Strecke zulässt. Ein ebener Talweg erlaubt ein Gehtempo von drei Kilometern pro Stunde, ein steiler Pfad fällt auf deutlich weniger. Die Tabelle weiter unten macht das erkennbar: Die Tour mit den meisten Kilometern ist nicht die mit der steilsten Steigung, und die kürzeste Strecke ist nicht die schnellste. Wanderzeiten in Führern gelten für gesunde, trittsichere Gäste mit leichtem Gepäck und lassen sich durch Pausen, Fotostopps, Einkehr und Rast am Gipfel leicht verdoppeln, vor allem an schönen Tagen. Für die Planung zählt deshalb eine Reserve, vor allem mit Kindern im Gepäck oder bei wechselhaftem Wetter.
Talwanderungen im Trettachtal und im Oytal
Das Trettachtal führt über rund 15 Kilometer und etwa 233 Höhenmeter in rund fünf Stunden durch eine leicht begehbare Landschaft. Unterwegs liegen Einkehrstationen, und als Ziel gilt der Christlessee. Die Tour passt zu Familien und zu allen, die einen Tag ohne Gipfelanstieg wünschen. Der gleichmäßige Anstieg erlaubt es, das Tempo konstant zu halten und die Kräfte einzuteilen, und die Länge von 15 Kilometern ist mit der Gehzeit von fünf Stunden gut zu schaffen. Dafür braucht es allerdings Ausdauer, denn die Strecke zieht sich, und die Rückkehr mit Bus oder zu Fuß gehört zur Tagesplanung.
Das Oytal ist ein Seitental mit Wald und Felswänden. Eine Wanderung von rund 10 Kilometern Länge und etwa 230 Höhenmetern ist in rund dreieinhalb Stunden zu schaffen, und der Weg ist das ganze Jahr über begehbar. Für mehr Strecke lässt sich die Tour zum Stuibenfall oder in Richtung Höfats verlängern. Beide Täler haben ein Merkmal gemeinsam, das Familien schätzen: Die Steigung bleibt gleichmäßig, und auch Kinder und ungeübte Wanderer kommen gut voran. Die Höhenunterschiede von 233 und 230 Metern liegen fast gleichauf, doch das Oytal ist um ein Drittel kürzer und fordert damit mehr Steigung je Kilometer.
Aufstiege zum Gaisalpsee und zum Fellhorngrat
Zum Unteren Gaisalpsee geht es von Reichenbach aus bergauf. Die Tour ist mit 8,6 Kilometern deutlich kürzer als das Trettachtal, dafür liegen 660 Höhenmeter vor den Wandernden, und die Tour gilt als mittelschwer. Die Gehzeit beträgt rund vier Stunden, und feste Schuhe sowie Trittsicherheit gehören zur Ausrüstung. Der See am Ende des Aufstiegs belohnt die Mühe mit einem Blick in die Allgäuer Bergwelt und lädt zur Rast ein, bevor der Abstieg beginnt. Der Weg zurück nach Reichenbach verlangt noch einmal Aufmerksamkeit, weil müde Beine auf steilen Passagen schneller ausrutschen.
Der Fellhorngrat verläuft über rund 6 Kilometer, in etwa drei Stunden, an der Grenze zwischen Bayern und Vorarlberg. Rund 700 Höhenmeter sind zu bewältigen, ein Wert, der sich mit einer Bahnfahrt zum Ausgangspunkt verringern lässt. Am Engenkopf führt ein Rundweg von rund 3,7 Kilometern bei der Breitachklamm vorbei. Zwei Stunden Gehzeit für 3,7 Kilometer bedeuten ein Tempo von weniger als zwei Kilometern pro Stunde, denn 189 Höhenmeter und ein feuchter Boden bremsen den Schritt. Mit festen Schuhen gelingt die Runde trotzdem gut, und der Weg führt abseits der stark besuchten Route durch die Klamm.
Strecke, Dauer und Höhenmeter im Vergleich
| Tour | Strecke | Gehzeit | Höhenmeter |
|---|---|---|---|
| Trettachtal | 15 km | 5 Stunden | 233 m |
| Oytal | 10 km | 3,5 Stunden | 230 m |
| Unterer Gaisalpsee | 8,6 km | 4 Stunden | 660 m |
| Fellhorngrat | 6 km | 3 Stunden | 700 m |
| Engenkopf bei der Breitachklamm | 3,7 km | 2 Stunden | 189 m |
Aus den Zahlen ergibt sich ein Tempoprofil. Im Trettachtal liegt das Mittel bei 3,0 Kilometern pro Stunde, im Oytal bei knapp 2,9. Am Gaisalpsee sinkt es auf etwa 2,15, am Fellhorngrat auf 2,0 und am Engenkopf auf rund 1,85 Kilometer pro Stunde. Die Höhenmeter prägen die Dauer also stärker als die Länge. Der Gaisalpsee ist rund 40 Prozent kürzer als das Trettachtal, dauert aber nur eine Stunde weniger, weil 660 Höhenmeter dazukommen. Noch deutlicher wird der Effekt am Fellhorngrat: Er ist nur 6 Kilometer lang und dauert dennoch drei Stunden, 40 Prozent weniger Zeit als das Trettachtal bei 60 Prozent weniger Strecke. Beim Vergleich von Höhenmetern und Kilometern zeigt sich, warum kurze Touren anstrengender sein können als lange. Am Fellhorngrat kommen auf einen Kilometer rund 117 Höhenmeter, im Trettachtal nur gut 15.
Für eigene Planungen taugt eine Faustregel: Auf ebenem Gelände etwa drei Kilometer je Stunde rechnen und für jede hundert Höhenmeter einen Zuschlag einplanen, der Rest ergibt sich aus Pausen. Diese Werte sind Richtgrößen, die vom Wetter, vom Gepäck und vom Tempo der Gruppe abhängen. Die Tabelle dient als Maßstab für den ersten Tag, und nach der ersten Tour zeigt sich schnell, ob die eigene Geschwindigkeit darüber oder darunter liegt.
Welche Tour zu welchem Tag passt
- Familie mit Kindern: Trettachtal oder Oytal, gleichmäßige Steigung, Einkehr unterwegs
- Kurze Zeit am Nachmittag: Engenkopf bei der Breitachklamm, zwei Stunden, gutes Schuhwerk nötig
- Wenig Gepäck, viel Natur: Oytal, ganzjährig begehbar, mit Verlängerung zum Stuibenfall
- Kondition und Trittsicherheit vorhanden: Gaisalpsee ab Reichenbach
- Gipfelblick mit Grenzlage: Fellhorngrat zwischen Bayern und Vorarlberg
Die Auswahl hängt am Ende von drei Dingen ab: der verfügbaren Zeit, dem Wetter und der eigenen Kondition. Bei unsicherem Wetter sind die Talwege die bessere Wahl, weil sie sich bei Regen abkürzen lassen. Bei stabilem Hochdruck lohnt sich der Aufstieg zum Grat, und im Herbst sind die ruhigeren Wege am Engenkopf oder im Oytal eine gute Alternative. Bei einem Aufenthalt von mehreren Tagen passt eine Talwanderung zum Einlaufen, am zweiten Tag folgt ein Aufstieg. Regenjacke, Wasser und ein Blick auf den Wetterbericht gehören unabhängig von der Strecke in jeden Rucksack, denn das Wetter am Alpenrand wechselt schnell und kann einen sonnigen Morgen in einen nassen Nachmittag verwandeln. Auf höheren Touren kommt eine warme Schicht dazu, weil es am Grat auch im Sommer kühl und windig sein kann. Bei Unsicherheit empfiehlt es sich, die Tour abzukürzen, statt ein Gewitter oder einen Wetterumschwung zu riskieren, und früh umzukehren. Eine Tagestour sollte so geplant sein, dass die Rückkehr vor Einbruch der Dämmerung gelingt, auch wenn Pausen länger dauern als gedacht. Für die Rückfahrt zum Ausgangsort lohnt ein Blick in den Fahrplan der Busse, damit der Tag nicht an der Haltestelle endet.