Der Große Alpsee bei Immenstadt als Reiseziel im Oberallgäu

Drei Kilometer lang, knapp einen Kilometer breit und 23 Meter tief: Mit diesen Maßen liegt der Große Alpsee westlich von Immenstadt im Konstanzer Tal und gehört zu den größten Seen des Oberallgäus. Genau gemessen sind es 3,26 Kilometer Länge bei einer Fläche von 2,4 Quadratkilometern, das Ufer läuft über 8,1 Kilometer um das Wasser herum. Das klingt nach einem gewöhnlichen Voralpensee, und doch steckt in diesem Becken mehr Geschichte, als auf den ersten Blick zu erkennen ist: ein zweiter, kleinerer See im Wald, ein dritter als Rest eines früheren Ufers und ein Bach, der sich mit einem Dutzend Zuflüssen langsam in den See hineinschiebt.

Als Reiseziel hat der Große Alpsee eine Besonderheit, die ihn von Seen wie dem Bodensee unterscheidet. Er ist ein Landeigentum des Freistaats Bayern und wird von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen betreut, also von derselben Stelle, die auch Schlösser wie Herrenchiemsee verwaltet. Dass ein Voralpensee als Staatsbesitz geführt wird, ist im Allgäu nicht selbstverständlich und prägt, wie das Ufer genutzt wird: mit wenigen großen Anlagen, dafür mit Badestellen, einem Campingplatz und einem Segelrevier.

Der See in Zahlen und was sie verraten

Die Zahlen lassen sich nachrechnen. Bei 2,4 Quadratkilometern Fläche und 3,26 Kilometern Länge ergibt sich eine mittlere Breite von rund 740 Metern, der See ist also schmaler, als der Blick vom Ufer vermuten lässt. Das Ufer misst 8,1 Kilometer. Ein Kreis mit gleicher Fläche käme auf einen Umfang von rund 5,5 Kilometern, das Ufer des Alpsees ist demnach um fast die Hälfte länger, weil das Becken lang gestreckt ist und die Verlandungsnasen der Bäche zusätzliche Buchten formen, sodass der Weg am Wasser länger wirkt, als die Karte vermuten lässt.

Die größte Tiefe von 23 Metern ist für einen Allgäuer See mittelgroß, doch sie genügt, damit das Wasser im Sommer geschichtet ist: oben warm, in der Tiefe kühl. Das umgebende Landschaftsschutzgebiet umfasst rund 827 Hektar und ist damit gut dreimal so groß wie der See selbst. Es greift auf die Hänge nördlich und südlich über, den Salmaser Höhenzug im Norden und die Nagelfluhkämme im Süden. Diese Gesteinsformation, ein Konglomerat aus Geröll, das in Jahrmillionen verbacken ist, bildet die Kulisse, die der Landschaft ihren Namen gegeben hat, den Naturpark Nagelfluhkette. Die Übersicht stellt die Gewässer und Schutzgebiete rund um den See nebeneinander.

Gewässer oder GebietFlächeEinordnung
Großer Alpseerund 250 HektarHauptsee im Konstanzer Tal
Kleiner Alpseeetwa 7,5 Hektarliegt in Immenstadt, von der Konstanzer Ach durchflossen
Teufelssee4,6 HektarRestgewässer am Westufer, Naturpark Nagelfluhkette
Schutzgebiet Großer Alpseerund 827 HektarLandschaftsschutzgebiet
Schutzgebiet Kleiner Alpseerund 67 HektarLandschaftsschutzgebiet

Nagelfluh, der Stein hinter dem Panorama

Südlich des Sees ziehen sich die Nagelfluhkämme hin, ein Höhenzug, der sich von Immenstadt bis in die Gegend von Oberstaufen erstreckt. Nagelfluh ist ein Konglomerat: Gerölle aus Kalk und anderen Gesteinen, die in Flüssen rund geschliffen wurden und später von einem Kalkzement zu einem festen Gestein verbacken sind. Auf angewitterten Felsflächen stehen die runden Steine hervor wie Nagelköpfe, daher stammt der Name, wobei Fluh ein altes Wort für Fels ist. Zwischen den Geröllen sitzen Lagen aus Sandstein und Mergel, die schneller verwittern als die harten Konglomeratbänke, und aus diesem Wechsel entstehen die Stufen und Rippen der Kämme.

Das Gestein erzählt von der Entstehung der Alpen. Als sich das Gebirge im Tertiär auftürmte, trugen Flüsse Schutt in das Vorland, und dieser Schutt wurde nach und nach von Sand und Schlamm überlagert und zu Stein. Ein Rest dieser Landschaft sind die Nagelfluhkämme, die heute wie eine Mauer über dem Alpsee stehen. Für den Besucher bedeutet das, dass die Berge hier weicher geformt wirken als die Kalkgipfel um Oberstdorf: runde Rücken, steile Gräben und überall Gerölle im Boden. Dass Naturpark und Schutzgebiet rund um den See auf dieses Gestein aufbauen, ist kein Zufall, denn der Untergrund bestimmt Quellen, Bäche und die Pflanzen am Hang.

Konstanzer Ach, Kleiner Alpsee und Teufelssee

Der wichtigste Zufluss ist die Konstanzer Ach. Hinzu kommen fast ein Dutzend Hangbäche von Norden und etwas weniger von Süden, und die größeren unter ihnen haben mit ihrem Geschiebe Landzungen von mehr als 150 Metern in den See geschoben. Dort, wo ein Bach in den See mündet, setzt sich Kies ab, und nach und nach entsteht ein Delta, das ins Wasser hineinwächst. Diese Landzungen zeigen, dass der See sich im Lauf der Zeit verändert und das Becken langsam kleiner wird.

Am Ostende verlässt die Konstanzer Ach den See, fließt durch Bühl am Alpsee und den Kleinen Alpsee und mündet in Immenstadt in die Iller. Der Kleine Alpsee misst etwa 7,5 Hektar, also kaum drei Prozent der Fläche des großen Nachbarn. Ein weiterer Rest liegt am Westufer: Der Teufelssee mit 4,6 Hektar befindet sich weniger als 200 Meter oberhalb des Ufers und gilt als Überbleibsel aus einer Zeit, in der der Große Alpsee noch weiter nach Westen reichte. Der Teufelssee gehört zum Naturpark Nagelfluhkette. Ob sein Name auf eine Sage zurückgeht, lässt sich nicht belegen, mehrere Seen im Alpenraum tragen diesen Namen, meist wegen ihrer Unzugänglichkeit oder Tiefe.

Segeln, Baden und eine Lädine

Auf dem See wird gesegelt. Vorherrschend sind westliche Winde, was ihn zu einem guten Revier macht, auch wenn sich Winde aus anderen Richtungen im Talkessel verwirbeln und die Windrichtung schnell wechseln kann. Dass westliche Winde so verlässlich sind, hat mit der Form des Beckens zu tun: Der See liegt in Ost West Richtung, ein Westwind weht also entlang der gesamten Länge von 3,26 Kilometern über das Wasser und baut eine gleichmäßige Welle auf, während Seitenwinde an den Hängen im Norden und Süden brechen. Der Segelclub Alpsee Immenstadt richtet mehrere Regatten im Jahr aus. Diese Unbeständigkeit erklärt, warum erfahrene Segler den See schätzen: Ein guter Kurs verlangt hier, den Wind tatsächlich zu lesen.

Seit 2003 fährt in der Sommersaison eine Lädine, ein traditioneller Lastensegler vom Bodensee, auf einstündigen Rundfahrten über den See. Das Schiff trägt den Namen Santa Maria Loreto, Fahrgäste erleben darauf eine Fortbewegungsart, die am Bodensee ihren Ursprung hat und im Allgäu eine Ausnahme bildet. Badestellen gibt es am Südwest-, Südost- und Ostufer, am Südost- und Ostufer liegt außerdem ein Campingplatz. Am Nordufer läuft die Bahnstrecke Buchloe Lindau entlang, was den See für Anreisende ohne Auto zugänglich macht: Der Bahnhof Immenstadt liegt nur wenige Kilometer entfernt.

Welche Art von Besuch passt zum Alpsee

Der See eignet sich für kurze und für lange Aufenthalte, und die Wahl hängt davon ab, was erwartet wird. Ruhe und Wasser finden sich an den Badestellen im Süden und Osten, für Bewegung lässt sich das Ufer umrunden oder die Hänge des Naturparks erwandern. Entscheidend sind einige Punkte, die vor dem Besuch geklärt werden sollten:

  • Die Bahn hält in Immenstadt, von dort sind es einige Kilometer zum Ufer. Ohne Auto wird diese Strecke zu Fuß, mit dem Rad oder per Bus eingeplant.
  • Die Badestellen liegen im Südwesten, Südosten und Osten, am Nordufer verläuft die Bahnlinie. Für ruhige Stunden eignen sich die Randzeiten am Morgen und Abend.
  • Segler und Surfer müssen mit schnell drehendem Wind rechnen, gerade bei Gewitterlagen im Sommer.
  • Die Rundfahrt mit der Lädine läuft nur in der Sommersaison, Fahrzeiten und Preise ändern sich und sollten vor Ort erfragt werden.
  • Der Teufelssee liegt abseits und zeigt, wie weit der See früher nach Westen gereicht haben dürfte.

Der Alpsee ist kein Ziel für Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn, sondern für Landschaft, und diese Landschaft hat zwei Gesichter: Im Sommer Wasser, Wind und Boote, im Winter eine stille Fläche unter den Nagelfluhkämmen, an der die Bahn vorbeifährt. Vom Bahnhof Immenstadt führt der Weg zum Ufer über einige Kilometer, und ein längerer Aufenthalt lässt sich zwischen den Badestellen, dem Nordufer und den Hängen aufteilen, ohne dass das Ufer jemals verlassen werden müsste. Für Familien mit Kindern, für Segelinteressierte und für Wanderer in Richtung Naturpark ergeben sich jeweils andere Schwerpunkte, doch der See bleibt der Fixpunkt, an dem sich die Wege am Abend wieder treffen, wenn Segel und Badegäste das Wasser verlassen haben. Beides hat seinen Reiz, und beides lässt sich nutzen, ohne dass dafür mehr als ein Tag eingeplant werden muss.